Teil eines Werkes 
9. Band (1838)
Entstehung
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beider Kirchen damals noch die wahrſcheinlichſte Hoffnung vor⸗ handen. Bei ſeinem Sohne und Nachfolger, Philipp dem Zweiten, vereinigte ſich eine moͤnchiſche Erziehung mit einem deſpotiſchen finſtern Charakter, einen unverſöhnlichen Haß aller Neuerungen in Glaubensſachen bei dieſem Fuͤrſten zu unterhalten, den der Umſtand, daß ſeine ſchlimmſten politiſchen Gegner auch zugleich Feinde ſeiner Religion waren, nicht wohl vermindern konnte. Da ſeine europäͤiſchen Länder, durch ſo viele fremde Staaten zerſtreut, dem Einfluſſe fremder Mei⸗ nungen uberall offen lagen, ſo konnte er dem Fortgange der Reformation in andern Ländern nicht gleichgültig zuſehen, und ſein eigener naherer Staatsvortheil forderte ihn auf, ſich der alten Kirche überhaupt anzunehmen, um die Quellen der ketzeriſchen Anſteckung zu verſtopfen. Der natürlichſte Gang der Dinge ſtellte alſo dieſen Fürſten an die Spitze des katho⸗ liſchen Glaubens und des Bundes, den die Papiſten gegen die Neuerer ſchloſſen. Was unter Karls des Fünften und Philipps des Zweiten langen und thatenvollen Regie⸗ rungen beobachtet wurde, blieb fuͤr die folgenden Geſetz; und je mehr ſich der Riß in der Kirche erweiterte, deſto feſter mußte Spanien an dem Katholicismus halten.

Freier ſchien die deutſche Linie des Hauſes Oeſterreich ge⸗ weſen zu ſeyn; aber wenn bei dieſer auch mehrere von jenen Hinderniſſen wegfielen, ſo wurde ſie durch andere Verhaͤltniſſe in Feſſeln gehalten. Der Beſitz der Kaiſerkrone, die auf einem proteſtantiſchen Haupte ganz undenkbar war(denn wie konnte ein Apoſtat der römiſchen Kirche die römiſche Kaiſerkrone tra⸗ gen), knupfte die Nachfolger Ferdinands des Erſten an den päpſtlichen Stuhl; Ferdinand ſelbſt war dieſem Stuhle aus Gründen des Gewiſſens und aufrichtig ergeben. Ueberdem waren die deutſch⸗öſterreichiſchen Prinzen nicht mächtig genug,