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die Regenten nach einer Religionsveraänderung lüſtern machen, und das Gewicht der innern Ueberzeugung nicht wenig bei ihnen verſtärken; aber die Staatsraiſon allein konnte ſie dazu dran⸗ gen. Hätte nicht Karl der Fünfte im Uebermuth ſeines Glücks an die Reichsfreiheit der deutſchen Stande gegriffen, ſchwerlich hätte ſich ein proteſtantiſcher Bund für die Glaubens⸗ freiheit bewaffnet. Ohne die Herrſchbegierde der Guiſen hätten die Calviniſten in Frankreich nie einen Condé oder Coli gny an ihrer Spitze geſehen; ohne die Auflage des zehnten und zwanzigſten Pfennigs hatte der Stuhl zu Rom nie die vereinig⸗ ten Niederlande verloren. Die Regenten kampften zu ihrer Selbſtvertheidigung oder Vergroͤßerung; der Religionsenthu⸗ ſiasmus warb ihnen die Armeen, und oͤffnete ihnen die Schäte ihres Volks. Der gtroße Haufe, wo ihn nicht Hoffnung der Beute unter ihre Fahnen lockte, glaubte für die Wahrheit ſein Blut zu vergießen, indem er es zum Vortheile ſeines Fürſten verſpritzte. n irh
Und Wohlthat genug für die Völker, daß dießmal der Vor⸗ theil der Fürſten Hand in Hand mit dem ihrigen ging! Dieſem Zufalle allein haben ſie ihre Befreiung vom Papſithum zu danken. Glück genug für die Fürſten, daß der Unterthan für ſeine eigene Sache ſtritt, indem er für die ihrige kämpfte! In dem Zeitalter, wovon jetzt die Rede iſt, regierte in Europa kein Fürſt ſo abſolut, um uͤber den guten Willen ſeiner Unter⸗ thanen hinweggeſetzt zu ſeyn, wenn er ſeine politiſchen Ent⸗ würfe verfolgte. Aber wie ſchwer hielt es, dieſen guten Willen der Nation für ſeine politiſchen Entwürfe zu gewinnen und in Handlung zu ſetzen! Die nachdrucklichſten Beweggründe, welche von der Staatsraiſon entlehnt ſind, laſſen den Unterthan kalt, der ſie ſelten einſieht, und den ſie noch ſeltener intereſſiren. In dieſem Falle bleibt einem ſtaatsklugen Regenten nichts


