Teil eines Werkes 
9. Band (1838)
Entstehung
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daß ſie ſeine proteſtantiſchen Unterthanen gegen ihn in Schutz genommen, und ſich an die Spitze einer Religionspartei ge⸗ ſtellt hatte, die er zu vertilgen ſtrebte. Die Trennung in der Kirche hatte in Deutſchland eine fortdauernde politiſche Trennung zur Folge, welche dieſes Land zwar länger als ein Jahrhundert der Verwirrung dahingab, aber auch zu⸗ gleich gegen politiſche Unterdrückung einen bleibenden Damm aufthuͤrmte. Die Reformation war es großentheils, was die nordiſchen Machte, Daͤnemark und Schweden, zuerſt in das

Staatsſyſtem von Europa zog, weil ſich der proteſtantiſche Staatenbund durch ihren Beitritt verſtärkte, und weil dieſer Bund ihnen ſelbſt unentbehrlich ward. Staaten, die vorher kaum für einander vorhanden geweſenfingen an, durch die Reformation einen wichtigen Berührungspunkt zu erhalten, und ſich in einer neuen politiſchen Sympathie an einander zu ſchließen. So wie Bürger gegen Bürger, Herrſcher gegen ihre Unter⸗ thanen durch die Reformation in andere Verhaͤltniſſe kamen, rückten durch ſie auch ganze Staaten in neue Stellungen gegen einander. Und ſo mußte es durch einen ſeltſamen Gang der Dinge die Kirchentr ennung ſeyn, was die Staaten unter ſich zu einer engern Ver einigung führte. Schrecklich zwar und verderblich war die erſte Wirkung, durch welche dieſe all⸗ gemeine politiſche Sympathie ſich verkündigte ein dreißig⸗ jaͤhriger verheerender Krieg, der von dem Innern des Böhmer⸗ landes bis an die Mündung der Schelde, von den Ufern des Po bis an die Kuſten der Oſtſee, Länder entvölkerte, Ernten zertrat, Stadte und Doͤrfer in die Aſche legte; ein Krieg, in welchem viele Taufend Streiter ihren untergang fanden, der den aufglimmenden Funken der Cultur in Deutſchland auf ein halbes Jahrhundert verlöſchte, und die kaum auflebenden beſſern Sitten der alten barbariſchen Wildheit zurückgab. Aber Europa