10
Meinungen zu pruͤfen und eine ſchimpfliche Kette zu brechen. Die ſchwere Zuchtruthe des Deſpotismus haͤngt uͤber ihm, eine willkuͤrliche Gewalt droht die Grundpfeiler ſeines Gluͤcks ein⸗ zureißen, der Bewahrer ſeiner Geſetze wird ſein Tyrann. Ein⸗ fach in ſeiner Staatsweisheit, wie in ſeinen Sitten, erkuͤhnt es ſich, einen veralteten Vertrag aufzuweiſen, und den Herrn beider Indien an das Naturrecht zu mahnen. Ein Name entſcheidet den ganzen Ausgang der Dinge. Man nannte Rebellion in Madrid, was in Bruͤſſel nur eine geſetzliche Hand⸗ lung hieß; die Beſchwerden Brabants forderten einen ſtaats⸗ klugen Mittler; Philipp der Zweite aandte ihm einen Henker, und die Loſung des Krieges ward gegeben. Eine Tyrannei ohne Beiſpiel greift Leben und Eigenthum an. Der verzweifelnde Buͤrger, dem zwiſchen einem zweifachen Tode die Wahl gelaſſen wird, erwaͤhlt den edlern auf dem Schlachtfelde. Ein wohlhabendes uͤppiges Volk liebt den Frieden, aber es wird kriegeriſch, wenn es arm wird. Jetzt hoͤrt es auf, fuͤr ein Leben zu zittern, dem Alles mangeln ſoll, warum es wuͤn⸗ ſchenswuͤrdig war. Die Wuth des Aufruhrs ergreift die ent⸗ fernteſten Provinzen; Handel und Wandel liegen darnieder; die Schiffe verſchwinden aus den Haͤfen, der Kuͤnſtler aus ſeiner Werkſtaͤtte, der Landmann aus den verwuͤſteten Feldern. Tau⸗ ſende fliehen in ferne Laͤnder, tauſend Opfer fallen auf dem Blutgeruͤſte und neue Tauſende draͤngen ſich hinzu; denn goͤtt⸗ lich muß eine Lehre ſeyn, fuͤr die ſo freudig geſtorben werden kann. Noch fehlt die letzte vollendende Hand— der erleuchtete unternehmende Geiſt, der dieſen großen politiſchen Augenblick haſchte, und die Geburt des Zufalls zum Plane der Weisheit erzoͤge.
Wilhelm der Stille weiht ſich, ein zweiter Brutus, dem großen Anliegen der Freiheit. Ueber eine furchtſame Selbſt⸗ ſucht erhaben, kuͤndigt er dem Throne ſtrafbare Pflichten auf,


