Daß man dereinſt auf meinem Grabſtein läſe: „Hier ruht die jungfräuliche Koͤnigin.“ Doch meine Unterthanen wollen's nicht:„ Sie denken jetzt ſchon fleißig an die Zeit,
Wo ich dahin ſeyn werde— Nicht genug,
Daß jetzt der Segen dieſes Land beglückt: Auch ihrem künft'gen Wohl ſoll ich mich opfern, Auch meine jungfräuliche Freiheit ſoll ich, Mein höchſtes Gut, hingeben für mein Volk, Und der Gebieter wird mir aufgedrungen.
Es zeigt mir dadurch an, daß ich ihm nur
Ein Weib bin, und ich meinte doch regiert Zu haben, wie ein Mann und wie ein Koͤnig.
Wohl weiß ich, daß man Gott nicht dient, wenn man Die Ordnung der Natur verläßt, und Lob Verdienen ſie, die vor mir hier gewaltet,
Daß ſie die Klöſter aufgethan und tauſend Schlachtopfer einer falſchverſtandnen Andacht
Den Pllichten der Natur zurückgegeben. Doch eine Konigin, die ihre Tage
Nicht ungenützt in muͤßiger Beſchauung Verbirgt, die unverdroſſen, unermü 8 Die ſchwerſte aller Pflichten übt, die ſollte
Von dem Naturzweck ausgenommen ſeyn, Der eine Häͤlfte des Geſchlechts der Menſchen Der andern unterwuͤrfig macht—
Aubeſpine. 24.
Jedwede Tugend, Koͤnigin, haſt du 4
Auf deinem Thron verherrlicht: nichts iſt übrig, Als dem Geſchlechte, deſſen Ruhm du biſt, Auch noch in ſeinen eigenſten Verdienſten


