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Die neue Aera, die der Kunſt Thaliens Auf dieſer Bühne heut' beginnt, macht auch Den Dichter kühn, die alte Bahn verlaſſend, Euch aus des Bürgerlebens engem Kreis Auf einen höhern Schauplatz zu verſetzen, Nicht unwerth des erhabenen Moments Der Zeit, in dem wir ſtrebend uns bewegen: Denn nur der große Gegenſtand vermag Den tiefen Grund der Menſchheit aufzuregen; Im engen Kreis verengert ſich der Sinn Es wachst der Menſch mit ſeinen größern Zwecken.
Und jetzt, an des Jahrhunderts ernſtem Ende, Wo ſelbſt die Wirklichkeit zur Dichtung wird, Wo wir den Kampf gewaltiger Naturen Um ein bedeutend Ziel vor Augen ſehn,
Und um der Menſchheit große Gegenſtände,
Um Herrſchaft und um Freiheit, wird gerungen, Jetzt darf die Kunſt auf ihrer Schattenbühne Auch höhern Flug verſuchen, ja, ſie muß,
Soll nicht des Lebens Bühne ſie beſchämen.
Zerfallen ſehen wir in dieſen Tagen Die alte feſte Form, die einſt vor hundert Und fünfzig Jahren ein willkommner Friede Europens Reichen gab, die theure Frucht Von dreißig jammervollen Kriegesjahren. Noch einmal laßt des Dichters Fantaſie Die düſtre Zeit an euch vorüberführen


