Teil eines Werkes 
2. Band (1838)
Entstehung
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ihr ſcheues Auge vor ihm zuzublinzen— du rufteſt Wehe uͤber ihn aus. Rufe dieß Bild noch einmal ganz in deine Seele zuruͤck, und Karl ſteht vor dir!— Seine Küuͤſſe ſind Peſt, ſeine Lippen vergiften die deinen!

Amalia(cchlaͤgt ihn), Schamloſer Laͤſterer!

Franz. Graut dir vor dieſem Karl? Ekelt dir ſchon vor dem matten Gethaͤlde? Geh', gaff' ihn ſelbſt an, deinen ſchoͤ⸗ nen, engliſchen, goͤttlichen Karl! Geh', ſauge ſeinen balſami⸗ ſchen Athem ein und laſſ' dich von den Ambroſiaduͤften begra⸗ ben, die aus ſeinem Rachen dampfen! Der bloße Hauch ſei⸗ nes Mundes wird dich in jenen ſchwarzen, todaͤhnlichen Schwin⸗ del hauchen, der den Geruch eines berſtenden Anſes und den Anblick eines leichenvollen Wahlplatzes begleitet.

Amalia ewendet ihr Geſicht ab)..

Franz. Welches Aufwallen der Liebe! Welche Wolluſt in der Umarmung— aber iſt es nicht ungerecht, einen Menſchen um ſeiner ſiechen Außenſeite willen zu verdammen? Auch im elendeſten Aeſopiſchen Kruͤppel kann eine große, liebenswurdige Seele, wie ein Rubin aus dem Schlamme, glaͤnzen.(Boshaft laͤchelnd.) Auch aus blattrigen Lippen kann ja die Liebe—

Freilich, wenn das Laſter auch die Feſten des Charakters erſchuͤttert, wenn mit der Keuſchheit auch die Jugend davon fliegt, wie der Duft aus der welken Roſe verdampft— wenn mit dem Koͤrper auch der Geiſt zum Kruͤppel verdirbt—

Amalia(froh auſſpringend Ha. Karl! nun erkenn’ ich dich wieder! Du biſt noch ganz! ganz! Alles war Luͤge!— Weißt du nicht, Boͤſewicht, daß Karl unmoͤglich das werden kann? EFranz ſteht einige Zeit tiefſinnig, dann dreht er ſich ploͤtzlich, um zu ge⸗ hen.) Wohin ſo eilig? fliehſt du vor deiner eigenen Schande?

Franz(mit verhuͤlltem Geſicht). Laſſ' mich! laſſ' mich!— meinen Thraͤnen den Lauf laſſen— tyranniſcher Vater! den