weg, und der Strom ſeiner Luͤſte kann jetzt freier dahin brauſen. Denkt Euch einmal an ſeine Stelle! Wie oft muß er den Vater unter die Erde wuͤnſchen— wie oft den Bruder— die ihm im Lauf ſeiner Exceſſe ſo unbarmherzig im Wege ſtehen? Iſt das aber Liebe gegen Liebe? iſt das kindliche Dankbarkeit gegen vaͤter⸗ liche Milde, wenn er dem geilen Kitzel eines Augenblicks zehn Jahre Eures Lebens aufopfert? wenn er den Ruhm ſeiner Vaͤter, der ſich ſchon ſteben Jahrhunderte unbefleckt erhalten hat, in einer wolluͤſtigen Minute aufs Spiel ſetzt? Heißt Ihr das Euren Sohn? Antwortet! heißt Ihr das einen Sohn?
D. a. Moor. Ein unzaͤrtliches Kind! ach! aber mein Kind doch! mein Kind doch!
Franz. Ein allerliebſtes, koͤſtliches Kind, beſſen ewiges Studium iſt, keinen Vater zu haben— O daß Ihr's begreifen lerntet! daß Euch die Schuppen fielen vom Auge! Aber Eure Nachſicht muß ihn in ſeinen Liederlichkeiten befeſtigen, Euer Vorſchub ihnen Rechtmaͤßigkeit geben. Ihr werdet freilich den Fluch von ſeinem Haupte laden; auf Euch, Vater, auf Euch wird der Fluch der Verdammniß fallen.
D. a. Moor. Gerecht! ſehr gerecht! Mein, mein iſt alle Schuld.
Franz. Wie viele Tauſende, die voll ſich geſoffen haben vom Becher der Wolluſt, ſind durch Leiden gebeſſert worden! und iſt nicht der koͤrperliche Schmerz, den jedes Uebermaß begleitet, ein Fingerzeig des goͤttlichen Willens; ſollte ihn der Menſch durch ſeine grauſame Zaͤrtlichkeit verkehren? ſoll der Vater das ihm
anvertraute Pfand auf ewig zu Grunde richten?— Bedenkt, Vater, wenn Ihr ihn ſeinem Elend auf einige Zeit preisgeben werdet, wird er nicht entweder umkehren muͤſſen und ſich beſſern? oder er wird auch in der großen Schule des Elends ein Schurke bleiben, und dann— wehe dem Vater, der die Rathſchluͤſſe


