14
Franz. Ich ſchone Eurer—„Man hat ihm Steckbriefe „nachgeſchickt, die Beleidigten ſchreien laut um Genugthuung, „ein Preis iſt auf ſeinen Kopf geſetzt— der Name Moor“— Nein! meine armen Lippen ſollen nimmermehr einen Vater ermorden! erreißt den Brief.) Glaubt es nicht, Vater! glaubt ihm keine Sylbe!
D. a. Moor(weint bitterlich. Mein Name! Mein ehr⸗ licher Name!
Franz(faͤllt ihm um den Hals). Schaͤndlicher, dreimal ſchaͤnd⸗ licher Karl! Ahnete mir's nicht, da er, noch ein Knabe, den Maͤdels ſo nachſchlenderte, mit Gaſſenjungen und elendem Geſindel auf Wieſen und Bergen ſich herumhetzte, den Anblick der Kirche, wie ein Miſſethaͤter das Gefaͤngniß, floh, und die Pfennige, die er Euch abquaͤlte, dem erſten dem beſten Bettler in den Hut warf, waͤhrend daß wir daheim mit frommen Gebeten und heiligen Predigtbuͤchern uns erbauten?— Ahnete mir's nicht, da er die Abenteuer des Julius Caͤſar und Alexander Magnus und anderer ſtockfinſterer Heiden lieber las, als die Geſchichte des bußfertigen Tobias?— Hundertmal hab' ich's Euch geweiſſagt, denn meine Liebe zu ihm war immer in den Schranken der kindlichen Pflicht— der Junge wird uns alle noch in Elend und Schande ſtuͤrzen!— O, daß er Moors Namen nicht truͤge! daß mein Herz nicht ſo warm fuͤr ihn ſchluͤge! Die gottloſe Liebe, die ich nicht vertilgen kann, wird mich noch einmal vor Gottes Richterſtuhl anklagen.
D. a. Moor. O=— meine Ausſichten! Meine goldenen Traͤumel
Franz. Das weiß ich wohl. Das iſt es ja, was ich eben ſagte. Der feurige Geiſt, der in dem Buben lodert, ſagtet Ihr immer, der ihn fuͤr jeden Reiz von Groͤße und Schoͤnheit ſo empfindlich macht,— dieſe Offenheit, die ſeine Seele auf dem Auge ſpiegelt,— dieſe Weichheit des Gefuͤhls, die ihn bei jedem Leiden in weinende Sympathie dahin ſchmelzt— dieſer maͤnn⸗
g*


