Teil eines Werkes 
2. Band (1838)
Entstehung
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Franz(liest).Leipzig, vom 1ſten Mai. Verbaͤnde mich nicht eine unverbruͤchliche Zuſage, dir auch nicht das Geringſte zu verhehlen, was ich von den Schickſalen deines Bruders auffangen kann, liebſter Freund, nimmermehr wuͤrde meine unſchuldige Feder an dir zur Tyrannin geworden ſeyn. Ich kann es aus hundert Briefen von dir abnehmen, wie Nach⸗ richten dieſer Art dein bruͤderliches Herz durchbohren muͤſſen; mir iſt's, als ſeh' ich dich ſchon um den Nichtswuͤrdigen, den Abſcheulichen(dDer alte Moor verbirgt ſein Geſicht.) Seht, Vater! ich leſe Euch nur das Glimpflichſteden Abſcheu⸗ Mlichen in tauſend Thraͤnen ergoſſen; Ach, ſie floſſen ſtuͤrzten ſtromweis von dieſer mitleidigen Wangemir iſt's, als ſaͤh' ich ſchon deinen alten, frommen Vater todtenbleich Jeſus Maria! Ihr ſeyd's, eh' Ihr noch das Mindeſte wiſſet?

D. a. Moor. Weiter! Weiter!

Franz.todtenbleich in ſeinen Stuhl zuruͤcktaumeln und dem Tage fluchen, an dem ihm zum erſtenmal Vater ventgegengeſtammelt ward. Man hat mir nicht Alles enr⸗ decken moͤgen, und von dem Wenigen, das ich weiß, erfaͤhrſt du nur Weniges. Dein Bruder ſcheint nun das Maß ſeiner Schande gefuͤllt zu haben; ich wenigſtens kenne nichts uüͤber

dem, was er wirklich erreicht hat, wenn nicht ſein Genie das meinige hierin uͤberſteigt. Geſtern um Mitternacht hatte er

den großen Entſchluß, nach vierzig tauſend Ducaten Schulden ein huͤbſches Taſchengeld, Vater! nnachdem er zuvor die Tochter eines reichen Bankiers allhier entehrt, und ihren Galan, einen braven Jungen von Stand, im Duell auf den Tod verwundet, mit ſieben Andern, die er mit in ſein Laſter⸗ leben gezogen, dem Arm der Juſtiz zu entlaufen. Vater! Um Gotteswillen, Vater, wie wird Euch? 8

D. a. Moor. Es iſt genug. Laſſ' ab, mein Sohn!