Teil eines Werkes 
2. Band (1838)
Entstehung
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glaͤnzen, ja oft von Seiten des Geiſtes gewinnen, was ſie von Seiten des Herzens verlieren. Hierin habe ich nur die Natur gleichſam woͤrtlich abgeſchrieben. Jedem, auch dem Laſter⸗ hafteſten, iſt gewiſſermaßen der Stempel des goͤttlichen Eben⸗ bildes aufgedruͤckt, und vielleicht hat der große Boͤſewicht keinen ſo weiten Weg zum großen Rechtſchaffenen, als der kleine; denn die Moralitaͤt haͤlt gleichen Gang mit den Kraͤften, und je weiter die Faͤhigkeit, deſto weiter und ungeheurer ihre Ver⸗ irrung, deſto imputabler ihre Verfaͤlſchung.

Klopſtocks Adramelech weckt in uns eine Empfindung, worin Bewunderung in Abſcheu ſchmilzt. Miltons Satan folgen wir mit ſchauderndem Erſtaunen durch das unwegſame Chaos. Die Medea der alten Dramatiker bleibt bei all ihren Graͤueln noch ein großes, ſtaunenswuͤrdiges Weib, und Shakeſpears Richard hat ſo gewiß am Leſer einen Bewunderer, als er auch ihn haſſen wuͤrde, wenn er ihm vor der Sonne ſtuͤnde. Wenn es mir darum zu thun iſt, ganze Menſchen hinzuſtellen, ſo muß ich auch ihre Vollkommenheiten mitnehmen, die auch dem Boͤſeſten nie ganz fehlen. Wenn ich vor dem Tiger gewarnt haben will, ſo darf ich ſeine ſchoͤne, blendende Fleckenhaut nicht uͤbergehen, damit man nicht den Tiger beim Tiger vermiſſe. Auch iſt ein Menſch, der ganz Bosheit iſt, ſchlechterdings kein Gegenſtand der Kunſt, und außert eine zuruͤckſtoßende Kraft⸗ ſtatt daß er die Aufmerkſamkeit der Leſer feſſeln ſollte. Man wuͤrde umblaͤttern, wenn er redet. Eine edle Seele ertraͤgt ſo wenig anhaltende moraliſche Diſſonanzen, als das Ohr das Gekritzel eines Meſſers auf Glas.

Aber eben darum will ich ſelbſt mißrathen haben, dieſes mein Schauſpiel auf der Buͤhne zu wagen. Es gehoͤrt beider⸗ ſeits, beim Dichter und ſeinem Leſer, ſchon ein gewiſſer Gehalt von Geiſteskraft dazu: bei jenem, daß er das Laſter nicht

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