Teil eines Werkes 
3. Band (1846)
Entstehung
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Mitternacht nach dem Tage des heiligen Aegidius war das Gericht anberaumt. Fuͤnf Tage waren noch bis da⸗ hin, und zum Ueberfluß trug der Graf dem traurigen Bap⸗ tiſte noch auf, als ſich dieſer eben auf's Pferd ſchwingen wollte: er moͤge Herrn von Matignon, der vielleicht nur des Nachts reiſe, ſelber begleiten, da jener als halber Normann der Wege in der Bretagne wahrſcheinlich nicht genau kundig ſei.

Durch dieſen Zufall wurde die Graͤfin der letzten Hilfe beraubt.

Die ſchrecklichen fuͤnf Tage vergingen ihr in vollſtaͤn⸗ diger Einfoͤrmigkeit: hatte Gillover von der Annäherung mit dem Kahne etwas bemerkt, oder wollte er nur ihre Qual haͤufen, kurz, er vernagelte die Fenſter ihres Ge⸗ faͤngniſſes mit Brettern, und entzog ihr ſomit das Ta⸗ geslicht. Sie verlor kein Wort daruͤber, ſie ſprach uͤber⸗ haupt keine Sylbe: ihre Seele war wund und voll ſte⸗ chenden Schmerzes in allen, ach in all ihren Organen; die Welt war ihr verleidet bis in's Innerſte, ſie wunſchte den Tod, und das Giftflaͤſchchen von Cognac, welches ſich unter ihren Geraͤthſchaften in dies ſchreckliche Thurmſchloß mit verirrt hatte, war ihr jetzt ein Troſt. Durch die ſchlecht ſchließende Fallthuͤr hatte ſie vom mittleren Stock⸗ werke herab ſo viel vernommen aus Chateaubriant's und Gillover's Reden, daß ihr ein ſchreckliches Gericht bevor⸗ ſtehe. Das wollte ſie erdulden als letzte Sühne fuͤr ihr Vergehen, dann aber wollte ſie ſich den brutalen Haͤnden eines Henkersknechtes durch das Gift entziehn. Sie be⸗ ſchönigte ſich dies dadurch, daß ſie ſolcherweiſe dem Gra⸗ fen eine Toͤdtung erſpare, die ihm doch vielleicht ſpaͤter das Gewiſſen beunruhige er ſolle von ihr nicht das Mindeſte mehr zu leiden haben. Die Sophiſterei des Egois⸗ mus, die uns bis zum letzten Augenblicke nicht verlaͤßt, fluͤſterte ihr auch zu: Angeſichts des Henkers iſt ja der Selbſtmord nur eine Selbſthilfe der Ehre!

In dieſer Faſſung erwartete ſie die Mitternacht nach Aegidius, die Giftphiole an ihrem Buſen verborgen hal⸗