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So war es auch. Frangoiſe war acht Tage lang Tag und Nacht am Lager ihrer Tochter. Am neunten Tage ſtarb Conſtance, und als Francoiſe, die von koͤr⸗ perlicher und moraliſcher Anſtrengung bewußtlos hinge⸗ ſunken war, wieder zu ſich kam, fand ſie ſich im Thurm⸗ ſchloſſe, und zwar im dritten Stockwerke auf ihrem Lager, welches mit andern nothwendigen Geraͤthſchaften aus ihren Zimmern im neuen Schloſſe hierher gebracht worden war. Der Graf hatte beſtimmt, ſie werde kuͤnftig hier wohnen. — Er war furchtbar veraͤndert; das Kind allein ſchien ſeine menſchliche Verbindung mit dem Leben gebildet zu haben. Alle die Jahre lang aufgehaͤuften Vorwürfe ge⸗ gen die Graͤfin brachen jetzt in roher, entſetzlicher Macht hervor. Auch füͤr den Verluſt des Kindes machte er ſie jetzt, und ach, nicht ohne Grund verantwortlich. Verſuch es, rief er, wie lange die Gefangenſchaft in dieſem Raume einem weiblichen Geſchöpfe zutraͤglich iſt. Dein theurer Valois wird naͤchſtens voruͤberreiten, und wenn Du Luſt haſt, Deiner Gefangenſchaft ein ſchleuniges Ende zu ma⸗ chen, ſo brauchſt Du dann nur an's Fenſter zu treten: ich werde fuͤr das Ende ſorgen.
Demüthig und ohne Widerſpruch nahm ſtie Alles hin; die Marter war ihr faſt willkommen.
Nach einiger Zeit ſchien es, als ob des Grafen Zorn an dieſer Widerſtandsloſigkeit ermattete: er ſchwieg meh⸗ rere Wochen, ja er ließ ſein Bett in das Zimmer Fran⸗ goiſens ſetzen. Wurde dies auch in der Ecke, welche von dem Platze des ihrigen am entfernteſten war, aufgeſtellt, und wurde es auch wie das ihrige von einer Tapetenwand eingeſchloſſen, ſo war ihr doch dieſe Einrichtung und ſolche Naͤhe die peinlichſte aller bisherigen Beſchraͤnkungen.
Eine Zeitlang ergab ſich daraus keine unmittelbare Stoͤrung fuͤr ſie: nur zuweilen hoͤrte ſie in der Nacht ein unterdruͤcktes Schluchzen des Grafen. Er weint um ſein Kind! Und Du kannſt ihn nicht troͤſten! Du haſt alles Ungluͤck uͤber ihn gebracht, und biſt außer Stande, ihm irgend einen Erſatz zu bieten! dachte ſie in Verzweiflung.
Laube, Chateaubriant. III. 13


