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richten, wie es ſchien, gleichguͤltig angehoͤrt und die davon erhitzte Chimene lange betrachtet hatte, ſchlang er ploͤtzlich ſeine Arme um ſie, und riß ſie an ſich. Das ſchwache Maͤd⸗ chen ſchien verloren zu ſein gegen die Gewalt ploͤtzlich er⸗ wachter brutaler Sinnenluſt. Aber es brach zu ihrer Hilfe ein neues Ungluͤck uͤber dies Haus herein, als ob des Gra⸗ fen Frevel auf der Stelle gezuͤchtigt werden ſolle. Man hoͤrte durch die offene Fallthuͤr aus dem zweiten Stock her⸗ auf Thuͤren werfen und das Klaggeſchrei Louiſon's, welches zu wiederholten Malen„Conſtance! Conſtance!“ hoͤren ließ. Nicht bloß der Storung wegen alſo, ſondern weil die⸗ ſem einzigen Lieblinge, den er auf Erden hatte, ein Unheil zugeſtoßen zu ſein ſchien, gab der Graf die im Widerſtande faſt erſchoͤpfte Chimene frei. Was iſt? Was iſt mit Con⸗ ſtance? ſtuͤrzte er ſchreiend die Treppe hinab.
Das Kind, vielleicht durch Waſſer⸗ und Abendluft er⸗ kaͤltet, war im Kahne ohnmaͤchtig geworden, und war jetzt noch beſinnungslos. Offenbar hatte die eingeſperrte Lebens⸗ weiſe, welcher das Kind um der Sicherheit vor Raub ſo lange unterworfen worden, einen gefaͤhrlichen Krankheits⸗ keim in demſelben entwickelt, und es lag jetzt wie eine kleine Leiche auf dem Lager, als Chimene voruͤbereilte, um Fran⸗ goiſe herbeizurufen.
Sie ſelbſt verließ im erſten Entſetzen uͤber die Frechheit des Grafen augenblicklich das Schloß, und eilte mit Bap⸗ tiſte, deſſen ſie habhaft geworden war, und der ihrem Vor⸗ geben nach einen Arzt holen ſollte, nach einem Kloſter, wel⸗ ches nordwaͤrts hinter den Waͤldern Chateaubriant's lag. Von dort wollte ſie wirklich auf ihrem Pferde einen der Arznei kundigen Geiſtlichen mit Baptiſte ſenden, ſie ſelbſt aber wollte hinter den Kloſtermauern zuruͤck bleiben. Sie wagte es nicht, Frangoiſe den Grund ihres Wegbleibens anzugeben, als Baptiſte noch in der Nacht mit dem Arzte ſie verließ; aber ſie ſetzte voraus, die Krankheit des Kin⸗ des werde ja jetzt alle Aufmerkſamkeit derſelben in An⸗ ſpruch nehmen.


