Teil eines Werkes 
3. Band (1846)
Entstehung
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als ſie geglaubt hatte? Daß ſie in Haß oder Liebe auf lei⸗ denſchaftlichere Aeußerung gefaßt geweſen war? Daß ſie ihr Kind, ein blaſſes eigenſinniges Geſchoͤpſchen, ſich voͤllig entfremdet fand? In der That, ſie konnte glauben, ihre Gegenwart auf Chateaubriant ſei nicht fuͤr Haß, nicht fuͤr Liebe, nicht für Strafe, nicht fuͤr Vergebung noͤthig.

Als Lautrec hinweg war, veraͤnderte ſich nichts. Ein früͤhzeitiger heißer Sommer drückte auf die Bretagne, und das Leben auf Schloß Chateaubriant war matt und ſtill. Da fuhrte ein einziger Abend eine ploͤtzliche Veraͤnderung herbei. Chimene hatte einen Brief von Lautrec erhalten, worin ihr dieſer aus Blois meldete, der Koͤnig habe vor, wegen engerer Vereinigung der Provinz Bretagne mit der Krone perſönlich in dieſe Provinz zu kommen, damit er das Parlament in Rennes zu einer ihm alle Beſitzesrechte uͤber⸗ tragenden Akte bewegen koͤnne. Montmorency, welcher guͤnſtige Verbindungen mit dem Parlamente der Bretagne angeknuͤpft, werde ihn begleiten. Man moͤge ſich alſo in Chateaubriant vor einem Beſuche ſicher ſtellen, welcher nur neue gefäͤhrliche Stoͤrung bringen koͤnne, und welchen der Köͤnig jedenfalls beabſichtige, denn er ſpreche fortwaͤhrend mit hingebender Sehnſucht von Frangoiſe. Chimene ſuchte ſogleich den Grafen auf, um ihm dies mitzutheilen, und ihn auch im Namen Francoiſens um Vorſichtsmaaß⸗ regeln zu bitten. Sie fand ihn im dritten Stockwerke des Thurmſchloſſes, er genoß die Abendkuͤhle und ſah zum Fen⸗ ſter auf den Fluß hinab, wo Gillover und Louiſon auf einem Kahne die kleine Conſtance hin⸗ und herfuhren. Er war alſo ganz allein im alten Schloſſe, und nachdem er die Nach⸗