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ſeidenes Tuch. Es fiel ihr dabei auch das Flaͤſchchen in die Haͤnde, welches Margot in der Angſt um ihre ohnmaͤchtige Herrin auf den Teppich geworfen hatte. Sie ſah, daß mit
italieniſchem Worte auf dem Boden des Flaͤſchchens geſchrie⸗ 7 geſch
ben ſtand:„Gift.“ Ihre Hand zuckte——
Aber ſie wollte ſich ihrer Pflicht nicht entziehn. Sie hatte es um Liebe gethan, ſie wollte es nicht thun um des Leids willen, das ihrer harrte. Ach, ihr Mutterherz hatte wohl ſchweigen koͤnnen, aber gelebt hatte es immer. Wie willkommen ihr ein raſcher Tod geweſen waͤre, er iſt mir nicht geſtattet, fluͤſterte ſie, ich gehoͤre meinem Kinde, ich gehoͤre meinem— Gatten!
Sie wollte allein nach Schloß Chateaubriant; nur Guernard ſollte ſie begleiten, und noch in dieſer Stunde wollte ſie auf den Weg.
Koͤnig Franz ahnte dies nicht. Allerdings gab er ſich der Jagd nicht hin, wie er es vorgehabt hatte bei Anbefeh⸗ lung derſelben: er entfuhrte die ſchoͤne Anna wohl in ein⸗ ſame Waldthaͤler, doch nicht um mit ihr zu koſen, ſondern weil ein zerſtreuter unruhiger Geiſt ihn trieb, und raſtlos, ſchweigend führte er das durch ſein Schweigen verſtoͤrte Maͤdchen in ungehemmtem Roſſeslaufe weglos und ziellos hierhin und dahin. Sie war zum Oefteren nahe daran, zu verunglücken, denn in dieſen abgelegenen Theilen des Wal⸗ des fehlte der Fackelſchein. Am Ende rief ſie dem Koͤnige zu, ſie konne ſich nicht mehr auf dem Pferde erhalten—
Dies geſchah um dieſelbe Zeit, da Chimene Frangoi⸗ ſens Abſicht einer heimlichen Flucht entdeckte, Lautrec her⸗ beirief, und die Graͤfin beſchwor, ihre Begleitung anzuneh⸗ Laube, Chateaubriant. III. 12


