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eine Liebhaberin auch das Giftigſte unſchaͤdlich zu machen wiſſe. Noch eins! fuhr es ihm durch den Sinn: damals in Fontainebleau hatte ihm durch Vermittelung der Herzo⸗ gin Louiſe Florio ein Flaͤſchchen italieniſchen Giftes einge⸗ haͤndigt fuͤr den Fall, daß Frangoiſe in der Verzweiflung ſelbſt nach einem ſolchen Endmittel verlange. Er fuͤhrte 1 es ſeit der Zeit immer wohlverwahrt bei ſich, und eilte jetzt nach ſeinem Zimmer, um es einzuſtecken. Vielleicht ver⸗. langte ſie's heut! Und ihr ſei wohler, dachte er aufrich⸗ tig, ſie ſei hinweg aus dieſer Welt, die nach ſo voͤlligem Bruche mit dem Koͤnige ihr nur Entſetzen und Trauer biete. Er dachte noch weiter: dieſe Neigung zwiſchen Koͤnig Franz und Frangoiſe hatte ihm das Anſehn, als ſei ſie fuͤr beide Theile nur durch den Tod zu endigen. Wie ungleich in der Laune Franz auch gegen Francoiſe ſei, ſein Herz gehoͤre ihr doch immer und immer wieder, und Francoiſe ſei ſeine einzige wahre Liebe. Ueber Kurz oder Lang koͤnne er ſie wieder aufſuchen, und dieſer Kampf gegen ein ungelegenes Weib muͤßte von Neuem Zeit und Kraͤfte in Anſpruch nehmen. Er wollte ſie ja auch nicht vergiften, er wollte ſie nur fuͤr den Fall rettungsloſer Verzweiflung mit einem Hilfsmittel ausruͤſten!— Mit Grundſaͤtzen bloßen Eigennutzes und 8 ohne irgend eine religiöſe Ueberzeugung kommt man ja in⸗ mitten großer Intriguen am Ende immer unverſehens dicht an die Seite des unmittelbaren Verbrechens. Und man kleidet ſich's und ſtreichelt ſich's, je laͤnger man's neben ſich hat, ſo artig zurecht, daß man es zuletzt ſelber nicht mehr erkennt, und es fuͤr ein harmloſes, von der unkundigen Welt nur verſchrieenes Weſen haͤlt.


