Teil eines Werkes 
3. Band (1846)
Entstehung
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zur Betrachtung in ſich aufkommen; ſie faßte nur in's Auge, daß die eigentliche Chimene der Freundin Frangoiſe beein⸗ traͤchtigend im Wege ſei neben Koͤnig Franz. Dieſe Chi⸗ mene ſollte verſchwinden; aber Chimene, die Freundin

Frangoiſens, Chimene, die als ſolche Freundin an keine Kleidung, keine Geſichtsfarbe gebunden ſei, ſie ſollte neben Francoiſe bleiben, denn ſie fuͤhlte und ahnte nur zu deutlich, daß Francoiſe gar ſehr einer maͤnnlich erſcheinenden Freun⸗ din beduͤrfe und beduͤrfen werde.

Uebergab ſie aber jetzt nicht die Briefe, unterrichtete ſie nicht Frangoiſe, ſo wurde die Freundin von der Ankunft des Koͤnigs uͤbereilt. Oder ſollte ſie unter irgend einem Vor⸗ wande das Schloß mit ihr verlaſſen? Ach, es war und blieb nur zu deutlich, daß Frangoiſe trotz alles Ortswechſels und aller Zerſtreuung zu Grunde ging in ihrem entſagenden inneren Kampfe. Frangoiſe verbarg wohl die Thraͤnen, aber nur um ſich zur Nachtzeit dem Strome derſelben wi⸗ derſtandslos hinzugeben.

Chimene entſchloß ſich denn ihrem Charakter gemaͤß eines Morgens zur entſcheidenden Handlung, und uͤbergab der Freundin die offnen Briefe mit den Worten: Lautrec hat ſie geoffnet, und hat verlangt, Du ſolleſt ſie leſen.

Die Aufregung Frangoiſens war außerordentlich, und doch hielt Chimene es fuͤr rathſam, ſie allein zu laſſen. Die Kaͤmpfe des Herzens wollen Einſamkeit! dachte ſie und ging hinaus auf den Soͤller des Schloſſes, von welchem man ſud⸗ lich hinab uͤber den Park blickte, wohl eine Wegſtunde weit nach der Gironde⸗Abdachung hinunter. Sie achtete nicht auf die Ausſicht, ſie vertiefte ſich in die Zukunft der Freundin,