147
tin nach Madrid geſendet, daß er dort das Bildniß Chime⸗ nens kopire und ihr bringe. Mit dieſer Abbildung forſchte ſte in ganz Frankreich umher und ließ Florio uͤberall umher⸗ ſpaͤhen, ob nicht eine naͤhere oder entferntere Aehnlichkeit in Antlitz und Figur eines jungen Fraͤuleins aufzufinden ſei. Die Uebelwollenden haben immer gutes Gluͤck: das Fraͤu⸗ lein von Heilly, jung, geiſtreich, lebensluſtig und ſchoͤn, eine Franzoͤſin in verfuͤhreriſcher Bedeutung des Wortes, im Beſitz aller Anlagen zur Gefallskunſt dieſer Nation ward entdeckt, ward ſogleich an den Hof und in der Regentin Schule gezogen. Sie ſollte die naͤchſte Frauenzukunft ihres Sohnes, deſſen Geſchmack die Mutter vortrefflich kannte, bilden, ſiie ſollte dem erſchuͤtterten Regimente der verhaß⸗ ten Chateaubriant ein voͤlliges Ende machen. Die Aehn⸗ lichkeit mit dem Bildniſſe Chimenens war auf den erſten Hinblick wunderbar, und bei naͤherem Zuſehn hatte die Franzöſin friſchere Farben, vollere Formen, raſcheres Auge, belebteren Mund und ein keckes Naturel zum Entzuͤcken fuͤr den Koͤnig.
Gegen Ende Maͤrz kam der Dienertroß der Regentin nach Cognac, und Chimene erfuhr dadurch die unmittelbar bevorſtehende Ankunft des Koͤnigs. Es uͤberfiel ſie eine große Angſt, Lautree's Anweiſungen Folge zu leiſten, Fran⸗ goiſen die Briefe zu uͤberreichen, und ſie, die uͤber den Auf⸗ enthaltsort unbekuͤmmerte aufzuklaͤren. Hatte ſie doch ſchon in Foir ihre eigne Verkleidung bloß darum vorgenommen, um vom Koͤnige nicht erkannt und nicht beachtet zu werden. Ob ſie ſelbſt bei dieſer Entſagung litte, das lies ſie nicht
10
—


