Teil eines Werkes 
3. Band (1846)
Entstehung
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Gunſt bitte. Um die Lage vollſtändig zu beurtheilen muͤßte man die Briefe kennen.

Sie ſind wahrſcheinlich in dieſem Paket enthalten, wel⸗ ches der Koͤnig ſpaͤter an mich geſendet hat.

Warum habt Ihr es nicht geoͤffnet?

Chimene erroͤthete: ſie haͤtte ſich ſelbſt und Lautree ge⸗ ſtehn muͤſſen, daß es nicht geſchehen ſei, um Frangoiſens Ei⸗ ferſucht zu verhuͤten. Sie berief ſich alſo nur darauf, daß ſie nicht habe Vermittlerin ſein moͤgen, wo die Freundin keine Vermittelung gewünſcht habe.

Ihr wißt ja aber nicht zuverlaͤſſig, daß die Briefe des Koͤnigs an Frangoiſe darin enthalten ſind! Es kann ſonſt ein wichtiger Auftrag des Königs, vielleicht eine politiſche Mittheilung an mich, der ich hier an der Grenze befehlige, darin eingeſchloſſen ſein. Ich bitte Euch, öffnet raſch.

Das waͤre ein Verrath an meiner Freundin!

So erlaubt mir, daß ich oͤffne!

Und ohne ihre Erlaubniß abzuwarten hatte er bereits das Paket entſiegelt, ihr den obenauf liegenden offenen Brief gereicht und die Briefe des Koͤnigs an Francoiſe herausgenommen. Als Regent eines kleinen Koͤnigreichs, wie Guyenne und Languedoc eins bilden konnten, war er vor dem ſtolzeſten Siegel nicht ſchuͤchtern, er offnete alſo auch ohne Weiteres des Koͤnigs Briefe, waͤhrend Chimene den ihrigen las, und vertiefte ſich in dieſelben.

Er hatte nie geliebt, nicht einmal galant war er jemals geweſen; er hatte mit dem Koͤnige nie anders als geſchaͤft⸗ lich verkehrt, was Wunder! wenn ihm dieſe Sprache der

Briefe hoͤchſt uͤberraſchend und erſtaunlich vorkam. An