26
kein Ton als das Fluͤſtern des Nachtwindes in einem hohen Cypreſſenbaume, an welchem der Koͤnig lehnte.
Dieſe Enttaͤuſchung wirkte auf den überreizten Franz mit unerhoͤrter Gewalt: genöͤthigt ſeit ſo langer Zeit an ſeinem guten Gluͤcke zu verzweifeln, ſah er auch hierin wieder nichts als die harte Ungunſt des Schickſals. Sie liebt Dich, nicht! rief er ingrimmig aus, als er nach Mit⸗ ternacht verzweiflungsvoll die Treppe zum Alcazar hinauf⸗ ſchritt,— ſie iſt ein bloͤdes, thoͤrichtes Kind, das nur ein duͤrftig Mitleid fuͤr den Geliebten ihrer Freundin empfun⸗ den hat, und das kindiſch erſchrocken iſt vor dem Ausdrucke meines lebhaften Gefuͤhls. Es iſt aus mit mir! Auch das kleinſte Gluͤck wendet mir den Ruͤcken, ich bin machtlos, und ſterbe klaͤglich bemitleidet im Lande romantiſcher Liebe! Sterben, ſterben will ich auch, denn todt bin ich be⸗ reits!——
Nach dieſer Erregung brach das Fieber, welches ſeit langer Zeit in ſeinen Adern einher ſchlich, mit heftiger Gewalt aus; die Diener eilten noch in der Nacht nach dem Arzte, denn der Koͤnig, der ſich auf ſein Lager geworfen, redete in wilden Phantaſicen und war beſinnungslos. Unter ſolchen Umſtaͤnden brach der achtzehnte September an. Brion und Montmorency verließen das Zimmer des Koͤnigs nicht, und waren in der groͤßten Beſorgniß um ihn. Mit der Abſpannung, welche der Gluth des Fiebers am Morgen gefolgt, war ihm die Beſinnung wieder ge⸗ kehrt, aber er war von einer Theilnahmloſtgkeit und Ab⸗ geſtorbenheit, daß Alles um ihn her in qualvolle Angſt ge⸗
rieth. Der enge Raum, welchen dieſe noch in mauriſcher


