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weckt die zarteſten, verborgenſten Kraͤfte unſrer Phantaſie und unſrer Sehnſucht. Menſchen, denen keinerlei Schoͤn⸗ heit und Kunſt einen edleren Eindruck machen kann, oͤffnet ein Ton das Herz, die Trivialſten fuͤhlen von der Muſik Empfindungen und Richtungen in ſich angeregt, die ihnen ſonſt wildfremd geblieben ſind, und wohl auch mit dem Verklingen der Toͤne wieder wildfremd werden, kurz der Ton iſt uns noch immer der groͤßte Zauberer, weil wir den Nerv nicht bezeichnen koͤnnen, den er, und er allein be⸗ ruͤhrt. Es iſt ein Nerv eigenthuͤmlichen Denkens, eines Denkens, das von der hergebrachten Logik kaum die Klei⸗ dung entlehnt, und in unerhoͤrten Kreiſen, halb Folge⸗ rung, halb Schoͤpfung, ſich bewegt. Dieſer Magnetis⸗ mus des Tons, wenn man verſchiedene Elemente in eine Bezeichnung zuſammenmiſchen darf, erfüͤllte dem Koͤnige den ſiebzehnten September 1525 mit jenem ſcheinbar grund⸗ loſen Rauſche wohliger Phantaſie, die nicht Rede ſteht uͤber das Behagen, das ſie durch alle Adern ſtroͤmt. Es draͤngte ihn, Chabot de Brion, der ſeit Bonnivets Tode und durch die Mitgefangenſchaft ihm am naͤchſten ſtand, das Abenteuer und die daher ſtammenden Wallungen ſei⸗ nes Weſens mitzutheilen, als Brion wie gewoͤhnlich des Vormittags aus dem Palaſte heruͤber kam in den Alcazar, um Geſellſchaft zu leiſten, die politiſche Lage zu beſpre⸗ chen oder Schach zu ſpielen mit dem Koͤnige. Brion war ein edles Gemuͤth, aber er konnte ſich doch einer freudigen Regung nicht erwehren, als er den Koͤnig zum erſten Male ſo innerlich abgewendet ſah von Francoiſe. Er wußte wohl, daß ſich aus einer ſinnlichen Untreue bei dem


