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lager, und die traurigſten Gedanken erfuͤllten ihn: in der Fuͤlle ſeiner Kraft und ſeines Schaffens, in der Fuͤlle ſei⸗ ner Lebensluſt ſo lange gefangen, unabſehbar lange ge⸗ fangen zu ſein! Denn er beſaß, wenn auch nicht die Macht, doch den Trotz des Eigenſinns, und hatte in ſol⸗ cher Stimmung ſchon zu wiederholten Malen den Gedan⸗ ken gefaßt, das Gefaͤngniß nie wieder zu verlaſſen, wenn es nur mit ſo ungeheurem politiſchem Opfer, wie der Kai⸗ ſer es begehrte, geſchehen koͤnne. Ueberkam ihn der Trotz, dann fuͤhlte er ſich wohl eine Zeitlang erhoben, aber die Melancholie nahm ihn bald darauf nur um ſo maͤchtiger ein. Er war eine jener ſonnigen Naturen, die zur Er⸗ tragung ihrer Exiſtenz immer in irgend einem Winkel der⸗ ſelben eine kleine Freude ſehn muͤſſen, denen voͤllige Reiz⸗ loſigkeit des Lebens der Tod ſelber iſt. Jene kleine Freude ward dann, unbekuͤmmert um alle uͤbrige Konſequenz ſei⸗ ner Lage, von ſeiner Phantaſie groß gezogen, und immer groͤßer gebildet, bis ſie alles Uebrige deckte und verbarg, und dem ganzen Leben eine neue Geſtalt verliehn hatte. Es mochte dies wohl eben die bildende Kuͤnſtlernatur in ihm ſein. Und zwar die bildende; denn es zeigte ſich kein lyriſcher Beſtandtheil dabei, wie ungetruͤbt ſein Wohl⸗ wollen fuͤr Frangoiſe von Chateaubriant war, ſeine Phan⸗ taſte ging nicht zuruͤck zu ihr, ſeine Phantafie— ſoll man
ſie eine egoiſtiſche oder eine ſtets ſchoͤpferiſche nennen?—
ſchuf ihre Geſtalten und Verhaͤltniſſe immer in vortheilhaf⸗ tem Zuſammenhange mit dem, was vor ihm lag. Zu einer dauernden Gefangenſchaft in Spanien brauchte ſie die Liebe einer vornehmen ſpaniſchen Dame, welche mit


