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handlung zu geben: er hatte mit Entruͤſtung das angebo⸗ tene Maulthier ausgeſchlagen, und niemals mit einem Schritte den Palaſt betreten. Er wußte, daß in den jenſei⸗ tigen Hoͤfen des Palaſtes, ja unter ihm am Fuß der Ab⸗ gruͤnde Trabanten und Spaͤher in Menge Wache hielten, und daß der Herzog von Infantado, wenn auch nicht unter offteiellem Namen ſein Huͤter ſei. Wie oft ihn dieſer auch einlud, das Mittagsmahl bei ihm einzunehmen, oder ſeine Schachpartie bei ihm zu ſpielen, immer hatte es der Koͤnig ſtolz abgelehnt mit dem Bemerken, er ſei des Kai⸗ ſers Gefangener im Alcazar, und er wolle den Schlummer des roͤmiſchen Kaiſers dadurch nicht beunruhigen, daß er einen Fuß aus ſeinem Gefaͤngniſſe ſetze; wenn ein Grand von Spanien mit dem Koͤnige von Frankreich ſpeiſen wolle, ſo moͤge er ſich nach dem Alcazar bemuͤhn.
Brion und Montmorency, die taͤglich zu ihm kamen, wußten ihm uͤber die Saͤngerin keine weitere Auskunft zu geben, als daß der Herzog wohl eine ſchoͤne Tochter ha⸗ ben, daß er ſie aber in der Einſamkeit eines Kloſters ver⸗ ſteckt halten ſolle, weil er ſie nicht liebe, und ſie, wie man das zu thun pflege, mit Dingen, die man der Welt nicht zutraͤglich erachte, fuͤr den Himmel beſtimmt habe. Im Palaſte werde nie eine Dame geſehn, der man eine ſo junge, ſchoͤne Stimme zutraun koͤnne.
Koͤnig Franz war an jenem Abende mehr als gewoͤhn⸗ lich erſchöpft; der Arzt, welchen ihm der Herzog von In⸗ fantado ſeit, einiger Zeit taͤglich ſandte, hatte erklaͤrt, es leide der Koͤnig an einem verzehrenden Fieber, und es ſei wahrſcheinlich, daß ſeine Lebenskraft voͤllig erliege.


