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Graͤfin gefeſſelt, mit Entzuͤcken auf der Teraſſe gelauſcht hatte. Stammte die Romanze aus der halbſpaniſchen Heimath Francoiſens, und war ſie deshalb auch in Ma⸗ drid bekannt, oder lag noch eine naͤhere Beziehung zum Grunde, er wußte es nicht, er empfand nur, daß ſie ihn anfaͤnglich wie vergangenes Gluͤck und mehr und mehr wie ein neu erreichbares Gluͤck gemahnt hatte. Die Altſtimme der Saͤngerin war ſo geheimnißvoll kraͤftig und innig, und das Geheimniß, in welches ſie ſich huͤllte, verdraͤngte von Tag zu Tage mehr die Anknuͤpfung an Francoiſe, erhoͤhte den Reiz des Abenteuers, das keinen weiteren Zweck zu haben ſchien. Die Stimme kam aus dem alten Palaſte, der ſeinen Garten begrenzte, und zuweilen erſchien auf kleinem Balkone am linken Fluͤgel des Palaſtes eine Frauengeſtalt; ſie ſchien die Saͤngerin zu ſein, ſang aber nie, wenn ſie ſich zeigte, und zeigte ſich nur bei dunklen Abenden, niemals im Mondesſchimmer. Mehrmals ſchon hatte Franz ſie angeredet, denn es trennte ihn nur ein eiſernes Gitter von dem ſchmalen Vorplatze des Palaſtes, niemals aber hatte ſie ihm geantwortet, immer war ſie vom Balkon verſchwunden, wenn er an's Gitter t und die Stimme erhob.
Es ſtanden keine Wachen hinter dieſem Gitten ad es war ihm frei geſtellt, in jenen Palaſt einzutreten in welchem Brion und Montmorency ihr weniger behindertes Gefan⸗ genleben fuͤhrten. Aber er hatte, da denn der Kaiſer ein⸗ mal ihn ſtreng wie einen Gefangenen angeſehn wiſſen wollte, von vorn herein trotzig darauf beſtanden, dieſer Gefangenſchaft auch alles Anſehn einer kleinlichen Be⸗


