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nen Frauen des Landes, von den ritterlichen Granden mit mannigfachen Zeichen von Theilnahme, ganz wie er erwar⸗ tet hatte, empfangen. Er ſtach auch ſo vortheilhaft ab von dem wortkargen, ernſten Karl, der immer mit ſtillen politiſchen Plaͤnen beſchaͤftigt war, und um Glanz und Schimmer der Erſcheinungswelt ſich wenig kuͤmmerte. Aber Karl hatte natuͤrlich kein Wohlgefallen an den Aeu⸗ ßerungen der Valencianer, und ließ ihn vom Schloſſe Ra⸗ tiva bei Valencia, wo auch ein Handſtreich vom Meere her fuͤr Befreiung des Gefangenen zu fürchten war, nach Ma⸗ drid fuͤhren. Ein Thurm des Alcazar nahm ihn hier auf, ein Gartenplatz, wie er oben beſchrieben iſt, war ihm zum Spaziergang angewieſen, ein Maulthier, welches er der Erwartung gemaͤß ausſchlug, ward ihm zu jeweiligem wohlbegleitetem Ritt angeboten, und der ſpaniſche Koͤnig, der roͤmiſch deutſche Kaiſer, auf deſſen perſoͤnliche Be⸗ kanntſchaft Franz ſo große und theure Hoffnung geſetzt, Karl ließ ſich nicht blicken, nicht in Madrid, nicht im Alca⸗ zar. Er blieb in Toledo, und entſchuldigte ſich mit drin⸗ genden Regierungsgeſchaͤften; denn er fuͤrchtete mit Recht, bei perſoͤnlicher Unterhandlung zur Großmuth gensthigt zu werden, und er trachtete, ein nuͤchtern politiſcher Mann, nach groͤßtmoͤglichem politiſchem Gewinn.
So war dem getaͤuſchten Koͤnige in herbem Jammer der Sommer und Herbſt uͤberaus traurig vergangen, ſchwere Melancholie hatte ſich ſeines ſanguiniſchen Tempera⸗ mentes bemaͤchtigt, ſein Antlitz war blaß, ſein Auge ein⸗ gefallen, ſein ſonſt ſo ſtolzer Gang ſchwankend, als er an jenem Herbſtabende in ſeinen Garten heraustrat. Die


