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von ſeinem unſeligen Vorhaben ſchnell abgewendet worden. Bude hatte ſich uͤberall Verbindungen eroͤffnet, außer Lan⸗ noy zeigten ſich ihm alle Fuͤhrer zugaͤnglich, ja es bildete ſich bereits unter Pescara's Leitung und unter ganz be⸗ ſtimmter Form ein Abfall Italiens vom Kaiſer, kurz, es war mit Sicherheit darauf zu rechnen, daß Koͤnig Franz uͤber kurz oder lang in Italien befreit werden koͤnne. Von alle dem erfuhr der Koͤnig nichts, und Lannoy wußte ihm im Gegentheile die romantiſche Idee einer Reiſe nach Spa⸗ nien ſo wuͤnſchenswerth„darzuſtellen, daß Koͤnig Franz ritterlichen Stiles ſogar alle wahrſcheinlichen Mittel einer Befreiung, die ſich ihm auf der Ueberfahrt bieten konnten, ſelber unmoͤglich machte, um nur die Reiſe msglich zu machen. Der Befehl der Regentin naͤmlich, mit den Ga⸗ leeren an der italiſchen Kuͤſte zu kreuzen, um einer Be⸗ freiung des Koͤnigs bereit zu ſein, war ſorgfaͤltig in's Werk geſetzt worden: Doria, im Dienſte Frankreichs, und Lafayette uͤberwachten ſcharf das liguriſche und das tyrr⸗ heniſche Meer; Lannoy haͤtte die Ueberfahrt nach Spanien mit dem Koͤnige nicht wagen koͤnnen, haͤtte ihm nicht der Koͤnig ſelbſt einen Befehl an ſeine Admirale ausgeſtellt, einen Befehl des Inhalts: daß ſie der Ueberfahrt Lan⸗ noy's nicht nur durchaus nicht hinderlich ſein, ſondern ſo⸗ gar ſechs franzoͤſiſche Galeeren zum ſicheren Geleit bis an die ſpaniſche Kuͤſte mitſenden ſollten!
Unter ſolchen Umſtaͤnden verließ der Vicekönig von Italien Lannoy mit ſeinem verblendeten Gefangenen in der Nacht des 7. Juni die Feſte Pizzighetone, ging mit ihm nach Genua und ſchiffte ſich dort ein nach der kataloniſchen Kuͤſte.


