Teil eines Werkes 
3. Band (1846)
Entstehung
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Dies that er, obwohl er Francoiſe in ſeiner Naͤhe wußte, denn Lannoy hatte ihm dies, um ſein Verlangen nach Freiheit zu ſtacheln, keineswegs verſchwiegen, er that es, denn er lechzte nach Freiheit.

Aber dem Kaiſer genugte dies bei Weitem nicht; nach wochenlangem ungeduldigem Harren kam wieder ein ableh⸗ nender Beſcheid, und Lannoy ſah nun ſein Opfer ſo weit zermalmt, als er es wuͤnſchte, um den ihm zugedachten Hauptſchlag mit Erfolg verſuchen zu koͤnnen. Er redete ihm vor, dieſe Schwierigkeiten entſtuͤnden nur durch die einrathenden und zwiſchentragenden Miniſter und Ge⸗ ſandte, und wuͤrden auf der Stelle verſchwinden, wenn die beiden Herrſcher perſoͤnlich mit einander unterhandeln konnten. Dieſer Vorſchlag war nur zu gut auf den Cha⸗ rakter des Koͤnigs Franz berechnet: mit einer maͤchtigen und ihrer Macht ſich bewußten Perſoͤnlichkeit begabt hoffte er, in Spanien ſelbſt, Aug' in Auge mit dem Kaiſer leichtlich an's Ziel zu kommen. Er ſah ſchon die großher⸗ zigen ſpaniſchen Granden um ſich, denen die ritterlichen Traditionen noch in Fleiſch und Blut lebten, und die ihm ſicherlich beiſtehn wuͤrden, es reizte ihn, auf eine ſo ei⸗ genthuͤmliche Weiſe Spanien ſelbſt zu ſehen, und dieſem ſtolzen Volke einen auch im Ungluͤcke ſtolzen Koͤnig zu zei⸗ gen; er lechzte uͤberdies nach einer Abwechſelung ſeines unertraͤglich einformigen Zuſtandes in der Feſte Pizzighe⸗ tone. Jeder Gefangene glaubt, etwas Anderes werde auch etwas Beſſeres ſein. Haͤtte Franz nur ein einziges Mal mit Bude ſprechen koͤnnen, der neben Francoiſe in einem Landhauſe an der Adda wohnte und harrte, er waͤre