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Kraͤfte Frankreichs, welches trotz des Siegs bei Pavia noch unberührt von uns geblieben iſt.
So war's gekommen, daß Franz in der erſten Zeit ſeiner Gefangenſchaft den hingebendſten Brief an den Kai⸗ ſer geſchrieben hatte.„Ich habe“, hieß es darin,„keinen andern Troſt in meinem Leide als die Hoffnung auf Eure
Güte. Seid Sieger Eures Sieges!— Der Wille eines Fuͤrſten wie Ihr kann nur ein ehrenvoller und großmuͤthiger ſein. Und fuͤr ſolche Ehrenhaftigkeit und ſolches Erbar⸗ men mit mir koͤnnt Ihr aus einem unnuͤtzen Gefangenen Euch einen Sklaven fuͤr immerdar in mir umtauſchen.“
Solche Hingebung war dem Charakter des Koͤnigs Franz vollkommen angemeſſen: das etwa Erniedrigende darin war fuͤr die Geſinnung, aus welcher es entſprang, keineswegs erniedrigend. Er war durchdrungen von dem ritterlichen Gedanken, der erbetenen Großmuth dankbar zu entſprechen, und um ſo groͤßere Opfer zu bringen, je freier man die Wahl des Opfers ihm ſelbſt uͤberließe. Seine Be⸗ fangenheit und ſein Irrthum uͤber die Zeitverhaͤltniſſe be⸗
ſtanden eben darin, daß er eine Zeit der bereits uͤberall noͤ⸗ thig gewordenen gewinnluſtigen Politik ſo behandelte, als ob die europaͤiſchen Staaten in ſcharf gezogenen Grenzen und auf unwandelbaren Grundpfoſten vorlaͤgen, und als ob er und der Kaiſer, zwei Hauptperſonen im Kampfe fuͤr europaͤi⸗
ſches Gleichgewicht oder Uebergewicht eines Staates, zwei
Privatperſonen werden koͤnnten um einer ritterlichen Wal⸗
lung halber, die ihm eigenthuͤmlich war. Außerdem fuͤhlte ſich ſein Naturel durch die Gefangenſchaft zu ausſchweifen⸗ den Schritten gedraͤngt. Dies Naturel, an freie Bewe⸗


