Teil eines Werkes 
3. Band (1846)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

7

des Koͤnigs rathſam ſei, ſich unter die Feinde des Reichs zu wagen, und ob ein unmittelbarer Verkehr mit dem Koͤ⸗ nige von Lannoy zu erlangen ſei. Lannoy war zu ſehr auf ſeiner Hut, um dem Koͤnige Rathſchlaͤge zukommen zu laſſen, und Budé hatte Wochen⸗ ja Mondenlang die Her⸗ zogin zu vertroͤſten. Er ſelbſt und Frangoiſe konnten nicht zu dem Gefangenen durchdringen, und erfuhren am 8. Juni zu ihrem großen Schrecken, daß der Koͤnig zur Nachtzeit hinweggebracht worden ſei von Pizzighetone.

Es war naͤmlich Lannoy gelungen, Koͤnig Franz in dem ritterlich phantaſtiſchen Glauben zu beſtaͤrken, Kaiſer Karl betrachte des⸗Gefangenen Lage vom edelſten Stand⸗ punkte, und es gebe fuͤr den Koͤnig nichts Rathſameres, als ſich ohne Ruͤckhalt der Großmuth des Kaiſers anzuver⸗ traun. Die Art, wie Kaiſer Karl die Nachricht von der Schlacht bei Pavia aufgenommen, war allerdings geeignet, auch einen nuͤchternen Gefangenen in falſche Hoffnung einzu⸗ wiegen. Er hatte nicht geſtattet, daß Siegesfeuer angezuͤndet und daß die Glocken gelaͤutet wuͤrden. Der Sieg ſei ſo groß, hatte er erklaͤrt, daß Gott allein die Ehre gebuͤhre, und daß er die ſchoͤnſte Veranlaſſung ſei, durch Milde gegen den Feind ſich dankbar zu erweiſen. Noch mehr! ſetzte Lan⸗ noy hinzu, indem er dies dem Koͤnige berichtete: der Bi⸗ ſchof von Osma hat dem Kaiſer gerathen, Eure Majeſtaͤt ſo bald wie moglich und ſo billig wie moͤglich frei zu ge⸗ ben; denn hat er bemerkt man kann ihn doch nicht in immerwaͤhrender Gefangenſchaft halten, und wenn man ihm zu harte Bedingungen auferlegt, ſo wird er ſie bre⸗ chen und den Krieg wieder anfangen mit Aufbietung aller