Teil eines Werkes 
3. Band (1846)
Entstehung
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und erſt ſeit er ihn hier hatte, hielt er ſich des Gefangenen fuͤr verſichert. Daß es ſo weit gekommen war lag vorzuͤg⸗ lich in den ſo ganz von einander verſchiedenen Charakteren der beiden Herrſcher: Karl der Funfte, ein nuͤchterner Po⸗ litikus, verſtand es wohl, den poetiſchen Koͤnig Franz zu berechnen, dieſer aber, koͤniglichen Sinnes phantaſirend, koͤniglichen Stil auch im ſiegreichen Gegner vorausſetzend irrte ſich voͤllig in dieſem Kaiſer, und gab ſich ihm dadurch voͤllig in die Haͤnde.

Dies hatte ſich folgendermaßen zugetragen.

Lannoy hatte nach dem Siege von Pavia den Koͤnig Franz, um ihn dem Enthuſiasmus der kaiſerlichen Trup⸗ pen und einem aus ſolchem Enthuſtasmus leicht moͤglichen Befreiungsverſuche zu entruͤcken, nach der Feſtung Pizzig⸗ hetone gefuͤhrt. Dieſe liegt an der Adda zwiſchen Lodi und Cremona. Es kam dieſem verſchlagenen Wallonen Alles darauf an, den gefangenen Koͤnig den Einfluͤſſen Pesca⸗ ra's und Bourbon's zu entziehn, und er huͤtete ihn deshalb ſo unſcheinbar, aber auch ſo ſorgfaͤltig wie moͤglich vor aller Beruͤhrung mit dieſen Heerfuͤhrern, die ſich mit vol⸗ lem Rechte vorzugsweiſe den Erfolg von Pavia zuſchrie⸗ ben, und huͤtete ihn ebenſo vor der Verbindung mit Fran⸗ zoſen, welche ſich unter allen Geſtalten herzudrängten. An dieſer Vorſicht ſcheiterte auch die Hoffnung der Regen⸗ tin, ihrem Sohne in der Schweſter, der Geliebten und dem Freunde Troſt und Rath zu ſenden. Umſonſt blieb

Nargaretha nach reiflicherer Ueberlegung in Marſeille zu⸗ rick, und ließ Frangoiſe und Budé vorausziehn gen Piz⸗ zighetone, um auszukundſchaften, ob es für die Schweſter