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erſt an der auffallend entſtehenden Unruhe des ſonſt ſo unveraͤnderlichen Duprat, daß von jener Thuͤr her eine Verwandelung der Scene ſich ankuͤndige. Sich umwen⸗ dend ſah er, daß in ſchwarzer Amtstracht die Raͤthe des Parlaments geraͤuſchlos, geiſterhaft einer nach dem an⸗ dern eintraten, und im weiten Halbkreiſe ſchweigend ſich aufſtellten. Die Regentin wurde ihrer nicht gewahr und ſchrieb und ſchrieb.
Duprat verſuchte es, ſich ſeinen Amtsgenoſſen zu naͤ⸗ hern, aber es gelang ihm nicht. Wollte er die Regentin durch kein Geraͤuſch ſtoͤren, oder entſetzten ihn die eiskal⸗ ten Blicke der Parlamentsraͤthe? Dieſe Leute, welche er bis daher ſo leicht gefuͤhrt und beherrſcht hatte in unbefan⸗ gen tyranniſchem Stile, dieſe Leute ſchienen ihn gar nicht mehr zu kennen— veraͤndert ein politiſches Ereigniß die Menſchen wie ein Luftwechſel das Wetter? Denn auch Duprat war ganz veraͤndert, und je geſcheidter er ſonſt war, deſto wichtiger war dieſe Veraͤnderung an ihm, deſto wichtiger fuͤr ihn ſelbſt: Es mußte doch plotzlich gewaltig viel Grund der Beſorgniß fuͤr ihn vorhanden ſein. Aus welchen See⸗ lentheilen iſt das Gewiſſen zuſammengeſetzt? dachte Bude, der ihn betrachtete. Es nehmen doch gewiß alle daran Theil, und der Herzloſe und Kluge wird verlegen und be⸗ treten, ja geraͤth vom bloßen Gewiſſen aus in Verzweif⸗ lung, wenn ihm ſein eigner Verſtand die Gelegenheit auf⸗ dringlich zeigt, uͤber ſich ſelbſt beſchaͤmt zu ſein. Das Wiſſen unſrer Schwaͤche bildet das Gewiſſen.
Endlich ſah die Regentin von ihrem Schreiben auf, und erblickte die drohenden ſchwarzen Geſtalten. Es durch⸗
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