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Regentin doch eine guͤnſtige Ausſicht. Frangoiſe wieder zur Macht zu bringen, war ihm nicht nur eine Herzensan⸗ gelegenheit, ſondern auch von verheißungsvoller Bedeu⸗ tung fuͤr all ſein Lebensintereſſe. Der Sinn fuͤr Reform in der Kirche, der Sinn fuͤr neue Bildung aller Art kam ſeines Erachtens mit ihr zur Herrſchaft, und wie ein ſan⸗ guiniſcher Gelehrter in ſeiner theoretiſchen Vorliebe die naͤchſten politiſchen Hinderniſſe fuͤr unbedeutende materielle Hinderniſſe erachtet, welche dem hoͤheren Geiſte ohne Wei⸗ teres weichen muͤßten, ſo ſchlug er es gering an, daß der Fanatismus des herrſchenden Glaubens die Landes⸗Cala⸗ mitaͤt ausbeuten koͤnne bis zur Ausrottung aller Spur von Reform, und daß jetzt mehr als je dem Koͤnige eine poli⸗ tiſche Heirath unabweisliches Beduͤrfniß, ja vielleicht ein⸗ ziges Rettungsmittel werden koͤnne. Er ſah geſpannten Blickes auf die haſtig und unablaͤſſig ſchreibende Regentin; ſobald ſie nur das erſte Mal aufblickte, wollte er ihr vor⸗ ſchlagen, mit der Herzogin Margaretha die Graͤfin Fran⸗ coiſe abzuholen, und mit dieſen beiden dem Koͤnige ange⸗ nehmſten Frauen nach Italien, und ſo weit es irgend er⸗ reichbar, in des Koͤnigs unmittelbare Naͤhe zu eilen. Aber die Regentin ſchrieb und ſchrieb, die quaͤlende Stille im Saale des Höôtel des Tournelles ward von keinem andern Geraͤuſche unterbrochen als dem, welches die eilig getriebene Feder und der außen plaͤtſchernde Regen verur⸗ ſachten. Der Koͤnig und Frankreich ſollten verloren ſein, und doch hatte es hier im Schoße der oberſten Landesmacht das Anſehn, als ſei uͤberall tiefſte Ruhe. Budé, halb mit dem Ruͤcken nach der Eintrittsthuͤr gekehrt, bemerkte es
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