Teil eines Werkes 
2. Band (1846)
Entstehung
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ungehindert eindringen konnte, der im Buͤndniſſe mit Eng⸗ land war, und dieſem Erbfeinde Frankreichs die Küſten⸗ provinzen von Bayonne bis Dünkirchen uͤberlaſſen mochte, der mit dem ſuͤdlichen Hochlande Frankreichs den Sieger Bourbon entſchaͤdigen wuͤrde, dieſer furchtbare Kaiſer er⸗ ſchien nach dieſer Niederlage der Franzoſen wie ein Daͤmon des juͤngſten Gerichts fuͤr Alles, was bis daher in Frank⸗ reich geherrſcht hatte. Ein Wink von ihn ſchien hinreichend, um dies bereits ſo ſtolze Koͤnigreich auszuſtreichen.

Die Regentin, wie lebhafte Mutter ſie war, hatte auch die volle politiſche Einſicht, und fand vielleicht deshalb raſcher als jeder Andere die Kraft zum Handeln. Denn politiſche Noth treibt, waͤhrend andere Noth oft nur laͤhmen mag. Sie winkte dem Diener, einen kleinen eichenen Tiſch aus einem Winkel des Saales in die Mitte herzubringen vor den Lehnſeſſel, in welchen ſie geſunken war, und das Schreibematerial vom Gerichtstiſche, welcher jetzt ſeine Bedeutung verloren hatte, herbeizuholen. Ihr Buſen flog, ihre Lippen zuckten, aber dennoch ſchrieb ſie mit feſter Hand. Bude ſah die UeberſchriftMon bon fils und glaubte deshalb, und weil die Feder ohne Stockung dahinflog, es ſchriebe die Regentin an Koͤnig Franz. Sie ſchrieb aber an den Kaiſer, und beſchwor dieſen, ihren Sohn koͤniglich zu behandeln, und ſchrieb an den Hafenkapitain von Mar⸗ ſeille, Galeeren abzuſenden an die italiſche Kuͤſte, und ſchrieb an den Herzog von Geldern um Lanzknechte, und ſchrieb an Lautrec und an den Herzog von Vendöme: ſie zeigte in dieſem furchtbaren Angenblicke die volle Kraft der Regierungsfäͤhigkeit. Sie bedurfte deren aber auch