Teil eines Werkes 
2. Band (1846)
Entstehung
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dicht neben dem Koͤnige verwundet und gefangen worden iſt und die feindlichen Soldaten ſelbſt ſind ſo berauſcht von der Tapferkeit des Koͤnigs, daß es uns manchmal vor⸗ kommt, als ſei das Alles ein Traum, und als ſeien wir noch unter unſern Leuten. Aber ach, die Wunden brennen, und erinnern uns an die herbe Wirklichkeit, und ſo eben hoͤre ich, daß der Koͤnig, damit er dem gefaͤhrlichen En⸗ thuſiasmus der deutſchen Lanzknechte, die ihn zum Fuͤhrer haben wollen, entzogen werde, in eine Feſte gebracht wer⸗ den ſoll. Ich ſchließe, um dieſe Blaͤtter dem Boten mit⸗ geben zu koͤnnen, welcher ein Schreiben des Koͤnigs an die Frau Regentin bringen darf. Der Sieg unſrer Feinde iſt ſo groß, daß es ihnen gleichguͤltig iſt, was wir daruͤber in die Heimath berichten. Troͤſtet die Graͤfin! Das Herz bricht mir, wenn ich an ihren Schmerz denke. Euer Chabot de Brion. Es trat eine Pauſe nach dieſer Vorleſung ein: Der ſchreiende Schmerz hatte ſich bereits in Ausrufungen Luft gemacht, und der traurige Moment war nun gekommen, in welchem Jedermann in weher Verzichtleiſtung all die be⸗ vorſtehenden traurigen Folgen an ſeinem Geiſte voruͤber⸗ ziehen laͤßt. Dieſe Folgen konnten entſetzlich werden, denn die Exiſtenz Frankreichs ſtand auf dem Spiele. Kein Heer, kein Führer, kein Koͤnig war mehr vorhanden, und der Sieger von Pavia, Kaiſer Karl der Fuͤnfte, der von den flandriſchen und brabantiſchen Staͤdten im Norden den Rhein aufwaͤrts bis in die Franche Comts, ja jetzt bis in's Nittelmeer hinein Frankreich umſchloß wie eine Schlange, der als Koͤnig von Spanien uͤber die Pyrenaͤen eben ſo