Teil eines Werkes 
2. Band (1846)
Entstehung
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Und der Koͤnig! mein Sohn, mein tapfrer Sohn, was wird mit ihm, fahrt fort, Budé, ich ermanne mich an ſeinem Muthe!

und das entſetzliche sauve qui peut fuhr Budé im Vorleſen forthatte die Schweizer neben und hinter mir weggeriſſen, ich ſah nichts als Staub und einzelne Fluͤchtige nach der Straße von Mailand zu, und hiermit waren wir verloren; denn nun ſiel die ganze ſchwere Schlacht auf den Koͤnig allein und die Seigneurs, die ſich um ihn draͤngten!

Mein Sohn, mein Sohn, wie hab' ich ſtatt zu klagen nur Gott zu danken, daß Dein Leben erhalten worden iſt in ſolcher grauſamen Noth! rief die Regentin.

Es entſtand ein Gemetzel, denn von rechts und links ſchwenkte der ſiegreiche Feind auf dieſen unſeren letzten Kriegshaufen zuſammen, es wurde ein Schlachten, mein Herz zittert, wenn ich daran denke, was alles Entſetzliches in einer Viertelſtunde um mich her geſchah! Ich ſah Bon⸗ nivet, den Unglücklichen, auf den die Hauptverantwort⸗ lichkeit des Tages fiel, und der ihn nicht uͤberleben wollte, ich ſah ihn barhaͤuptig, beſtaͤubten, blutigen, ſtarren Ant⸗ litzes dem biederen Diesbach, dem Anfuͤhrer der treulos ge⸗ wordenen Schweizer, zuwinken und zurufen, ſah wie ſie, beide den Tod ſuchend, vorgeſtreckten Hauptes in die Spieße der Bourbon'ſchen Lanzknechte hinein rannten, und ruͤck⸗ lings üͤberſtuͤrzten, ſah wie die Schaar um den Koͤnig ge⸗ ſpalten wurde, wie der Koͤnig, voll Blut von oben bis unten, allein focht, wie ſein Hengſt endlich hoch aufbaͤumte und mit ihm zuſammenſtuͤrzte