183
Mittelpunkt einer entſcheidenden Schläͤcht zu werden. Die weiten Mauern des Parks waren auch ihres großen Um⸗ fanges wegen nicht vollſtaͤndig zu decken, und es hieß allge⸗ mein, der Feind leide an großem Geldmangel und halte nur mühſelig ſeine Soldner zuſammen. Wie thöricht! Dieſe Spanier haben ja in Amerika unerſchoͤpfliche Quel⸗ len, man ſagt, es wuͤrde das Gold dort gegraben wie bei uns der Eiſenſtein; kurz, gegen all unſer Vermuthen hatte der Feind die Abſicht, gerade durch unſeren Park ſich einen Weg nach Pavia zu bahnen. Und wie der Erfolg gezeigt hat, war dieſe Abſicht ganz klug berechnet, denn der Koͤnig mußte ſein verſchanztes Lager verlaſſen, um uns in Mira⸗ bello zu unterſtuͤtzen. In der Nacht zum 24. Februar, als ich mit dem Herzoge am Bretſpiele ſaß, hoͤrten wir eine lebhafte Kanonade vom Lager des Koͤnigs her. Wir ſchick⸗ ten Reiter aus, um Erkundigung einzuziehen, und freuten uns, daß ſich der Feind die Koͤpfe einrennen wolle an den Palliſaden des alten Galiot de Genouillac, der unſere Ver⸗ ſchanzungen geleitet hatte und unſere Batterieen befehligte. — Wir Ungluͤcklichen ſpielten ruhig weiter im Bret, und unſere einfaͤltigen Reiter berichteten auch weiter nichts, als daß ſich der Feind gegen den Wallgraben im Schirme der Nacht nutzlos verſuche. Waͤhrend deſſen arbeiteten die Spanier mit allen Kraͤften an unſerer Parkmauer, die Ka⸗ nonade ſpielte nur auf, um das Geraͤuſch der Picken und Hacken zu uͤbertauben, und als der Tag graute, erfuhren wir zu unſerem Erſtaunen, es ſei eine Breſche von dreißig bis vierzig Toiſen Breite in der Parkmauer niedergeworfen, und die ſpaniſche Armee ziehe im Sturmſchritt durch den


