Teil eines Werkes 
2. Band (1846)
Entstehung
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rung Pavia's für den Augenblick aufheben, auf Mailand zuruͤckgehn und dort eine feſte Stellung einnehmen. Wir jungern aber waren der Meinung, es ſtuͤnde uns ſchlecht an, eine ſo lange betriebene Unternehmung wie dieſe Be⸗ lagerung Pavia's vor dem heranziehenden Landesverraͤther Bourbon aufzugeben, Bonnivet beſonders ſprach voll krie⸗ geriſchen Uebermuthes dagegen, und der Koͤnig hatte ſich in Voraus verſchworen, lieber zu ſterben, als die Belage⸗ rung von Pavia aufzuheben. So blieben wir denn, und verſchanzten uns nach Kraͤften am linken Ufer des Teſſino, welcher dem Feinde den Zutritt zu Pavia verſperrte. Dort⸗ hin lehnte ſich unſer rechter Fluͤgel; die Front unſeres La⸗ gers von der Seite nach Lodi ward durch einen Wallgraben vertheidigt, und unſer linker Fluͤgel ſtuͤtzte ſich auf den Park von Mirabello, der von Mauern eingeſchloſſen iſt. Ach, Budé, dort hab' ich neben dem unſeligen Herzog von Alen⸗ gon gefochten.

Mein Gott! rief bei Nennung ihres Gemahls die Her⸗ zogin Margaretha.

Dieſe Villa, dieſer Park, deſſen Straͤucher und Baͤume bereits im hieſigen fruͤhen Frühling zu knospen begannen, i*ſt ein zauberiſcher Aufenthalt. Sie ſind lange der Lieb⸗ lingsſitz der Herzoͤge von Mailand geweſen, und hatten früher nur Dichter und Liebende geſehen und gehoͤrt. Zum erſten Male ſollten ſie die donnernden Kanonenſchlaͤge und

den mannigfachen Todesſchrei vernehmen. Ich wohnte mehrere Wochen in der praͤchtigen Villa unangefochten mit

dem Herzoge von Alengçon; wir bildeten die Arrieregarde unſeres Heeres, und waren am wenigſten darauf gefaßt,