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„Ich ſchreibe dies, Budé, auf die Gefahr hin, daß man meinen Brief, welchen der Feind abſenden muß, oͤffne. Was iſt an meinem Schickſale gelegen! Ich habe nichts zu hoffen auf der Welt. Ihr ſollt, ſo viel an mir liegt, ein getreues Bild unſeres Ungluͤcks erhalten, es wird fuͤr die Zukunft lehrreich ſein, und ſo habe ich doch vielleicht vor Pavia einigen Nutzen geſtiftet.“
„Wir haben keinen Fuͤhrer gehabt, der gleichzeitig ge⸗ nial und erfahren geweſen waͤre. Daher kam uns die Ka⸗ taſtrophe, denn daher kamen uns die Spaltungen und der ſtarre Eigenſinn. Der Koͤnig iſt ein genialer Kriegsmann, er iſt ungemeiner Plaͤne und einer raſchen ungemeinen An⸗ ſtrengung faͤhig, des Muthes gedenke ich nicht erſt, denn der iſt ihm zweifellos im hoͤchſten Grade eigen. Aber der Koͤnig hat zu wenig Uebung im großen Kriege, der jetzt all⸗ jaͤhrlich neu ausgebildet wird, ſeine juͤngeren Lieblinge unter den anfuͤhrenden Seigneurs, Bonnivet, Montmorency, St. Marſault und ich, hatten nicht viel mehr Uebung als er, und die geuͤbteren wie La Trémoille, La Paliſſe, Foir⸗
Nescun, Louis d'Ars verſtanden nicht, in die kuͤhnen Ideen des Koͤnigs einzugehn, und ſo waren wir innerlichſt eigent⸗ lich immer ohne Zuſammenhang. Das brach ſchrecklich zu Tage am 24. Februar.“
„Der Feind ruͤckte ſchon vor vier Wochen von Lodi her⸗ über gegen uns an, Pescaire, Lannoy und Bourbon fuhrten ihn. All unſre aͤlteren Fuͤhrer, den alten Marſchall Cha⸗ vannes La Paliſſe an der Spitze, ſchrieen in den Koͤnig hinein, er ſolle ſich nicht einſperren laſſen zwiſchen Pavia und das anruͤckende kaiſerliche Heer, er ſolle die Belage⸗


