Teil eines Werkes 
2. Band (1846)
Entstehung
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habe ſeit unſerer Abreiſe von Fontainebleau weder an Euch noch an Francoiſe geſchrieben, weil ich Herr meiner un⸗ glücklichen Sehnſucht zu werden hoffte durch hartnaͤckiges Abweiſen derſelben von meinem Gedaͤchtniſſe. Es gelang mir nicht, und waͤre mir auch ohne Marot's Ankunft nicht gelungen, der uns die unwuͤrdige Handlungsweiſe der Her⸗ zogin von Angouléme in Betreff Francoiſen's enthuͤllte. Dadurch wurde die Theilnahme des Koͤnigs fuͤr eine Liebe, die er nicht zu ſchaͤtzen weiß, wieder angeſchuͤrt und meine Eiferſucht, meine Sehnſucht ward von Neuem entflammt. Ich hab' es zuweilen warum ſoll ich es Euch nicht ge⸗ ſtehn, braver Budé? ich hab es zuweilen verwuͤnſcht, daß Franz mein Koͤnig und Lehensherr ſei, und daß ich ihm deshalb nicht mit Herz und Schwert einen Schatz ſtreitig machen koͤnne, den er nicht verdient. Wo fruͤge aber die Neigung nach Verdienſt, ſie iſt despotiſch wie es der Koͤnig von Frankreich ſein moͤchte. Glaubt uͤbrigens den gebraͤuch⸗ lichen Reden nicht, daß ich zu denen gehoͤrte, welche ihn in dieſem Beſtreben unterſtuͤtzten, nein, ich bin nur einmal gleichen Schrittes und Weges mit Bonnivet gegangen, und dies eine und letzte Mal freilich habe ich dadurch zum allge⸗ meinen Verderben beigetragen. Wir haben eine Schlacht vor Pavia geliefert, Budé, wir haben ſie total verloren, und ſind alle gefangen. Die Bluͤthe unſeres Adels iſt ge⸗ todtet, unſer Heer exiſtirt nicht mehr, unſer Koͤnig und was ihm treu, iſt in den Haͤnden habſuͤchtiger und raͤnkeluſtiger Feinde

Ein allgemeiner Schrei des Schmerzes unterbrach hier den Vorleſer.