im Saale. Gerade die Faſſungsloſigkeit der Worte, die man am Wenigſten gewohnt war bei Aeußerungen des Koͤnigs Franz, ſteigerte den Eindruck des Ungluͤcks bis zum Aeußerſten. Die Regentin, welche kaum noch im Stande geweſen war, die letzten Zeilen auszuſprechen, fiel mit ſchreiendem Schluchzen ruͤcklings uͤber, und in die Arme des Mannes, den ſie eben vernichten gewollt, Guillaume Bude's. Margaretha ſtand lautlos, ihre Glieder flogen zitternd, als ob ſie der ärgſte Fieberfroſt ſchuͤttelte, und Thraͤnen rollten ſtromartig uͤber ihre Wangen. Alle uͤbri⸗ gen Anweſenden ſtießen nur vereinzelt erſchreckende Seufzer des Weh's aus, und ſchwiegen. Auch die Buͤrger von Paris ſtanden wie feſtgebannt und ſchweigend.
Der Biſchof Duchatel ermannte ſich zuerſt, und rief ihnen mit gebrochener Stimme zu, indem er den Praͤlat Florentin durch Hand und Blick aufforderte bewerkſtelligen zu helfen, was er anriethe:„Geht in die Kirchen, und betet fuͤr Koͤnig und Land, betet inbruͤnſtig wie die Iſraeli⸗ ten es thaten, als der Aſſyrier an der Grenze war und ihren Koͤnig gefangen hatte. Und alle Glocken ſollen laͤuten, und alle Welt ſoll zu Gott ſchreien um Hilfe!“
Mein Sohn, mein Sohn! ſchrie mit einem Male in herzzerſchneidendem Tone die Regentin, die ſich aus halber Ohnmacht empor riß, mein Sohn gefangen! Barmher⸗ ziger Himmel ſchuͤtze ihn! Eilt beten, beten, alle Welt ſoll beten!.
Und waͤhrend ſich die Buͤrger, beſtuͤrzt von der Nach⸗ richt und von dem leidenſchaftlichen Schmerzesausdrucke dieſer Mutter, die man immer nur als ſtolze Herrin geſehn
Laube, Chateaubriant. II. 2
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