Teil eines Werkes 
2. Band (1846)
Entstehung
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allgemeinem Zuruſe das Verlangen ausſprach, daß ſolche für ganz Frankreich gleich wichtige Nachricht laut verleſen werde. Die hierbei zurufenden Volksmaſſen, denen die ebenfalls patriotiſch betheiligten Trabanten den Eingang nicht ernſtlich gewehrt hatten, verhielten ſich uͤbrigens ach⸗ tungsvoll und mit abgenommenen Mutzen, als ob ſie mit dem Eintritte in den Palaſt ſelbſt ganz andere Leute ge⸗ worden ſeien.

Die Regentin, unter dem Einfluſſe der Ueberraſchung und der Mutterſorge und am Ende haͤtte auch die Poli⸗ tik nichts dagegen zu ſagen gehabt las das Schreiben des Koͤnigs mit lauter aber heftig zitternder Stimme wie folgt:

Madame! Um Euch in Kenntniß zu ſetzen, wie ich den Druck meines Mißgeſchicks trage, ſo iſt mir von allen Dingen nichts uͤbrig geblieben als die Ehre und das ge⸗ rettete Leben, und ich habe, damit Euch die Nachrichten über mich doch von einigem Troſte ſeien, gebeten, daß man mich ſchreiben laſſe an Euch. Dieſe Gnade hat man mir bewilligt, und ich bitte Euch, keinem verzweifelten Schritte Euch hingeben zu wollen und Eurer gewohnten Klug⸗ heit eingedenk zu ſein; denn ich hoffe, daß mich doch am Ende Gott nicht ganz verlaſſen wird, und empfehle Euch Eure Enkel, meine Kinder, Euch bittend, dem Traͤger Dieſes freies Geleit nach und von Spanien zu ge⸗ ben, wohin er zum Kaiſer geht um Nachricht, wie er wolle, daß mit mir verfahren werde.

Dieſer faſſungsloſe Brief furchtbaren Inhalts ſiel wie ein langer, zerſchmetternder Donnerſchlag auf alle Perſonen