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gar keinen einigen Plan herausfinden kann; freilich habe ich auch Alles durch einander geleſen, was die Schweizer, was die Wiedertaͤufer, was die Bauernapoſtel und was Luther ſelbſt geſagt haben. Der Letztere ergreift es fur mich am tiefſten, und wenn er uns den„freien Willen“ abſpricht und die„guten Werke“ nicht fuͤr nothwendig er⸗ klaͤrt, ſo ſtimme ich ihm von ganzer Seele bei. Wie bin ich zu meinem Schickſale gekommen? Doch wahrlich nicht aus freiem Willen! Ein Gott hat mich ergriffen, wie Dein Freund Lascaris ſo ſchoͤn ſagt, ein Gott iſt mein Wille. Und nach dem Urtheile der Welt habe ich nur uͤble Werke gethan, und fuͤhle mich doch nicht belaſtet! Aber wie kann Luther gegen Kreuzzuge wider die Unglaͤubi⸗ gen ſprechen! Es iſt ja unſer Beruf, das geltend zu ma⸗ chen, was uns theuer iſt: dadurch ja allein handelt unſere Seele. Der Reformator iſt ſchuͤchtern, weil er durch den Zweifel gegangen iſt und den Zweifel nur in der Wallung überwunden hat. Habe ich Recht, Budé? Was wuͤrde Franz ſagen, wenn man den ritterlichen Glaubenskampf verbieten wollte! Ich meine, wer nicht fuͤr ſeinen Glau⸗ ben kaͤmpfen will, der hat keinen Glauben. Und das iſt es wohl eben: die Dinge haͤngen alle eng, unglaublich eng zuſammen, und die Folgerungen beſtuͤrzen uns bis in's Herz hinein, und erſchuͤttern uns den Glauben, welchen wir uns mühſam auferzogen. Es iſt ein furchtbar Werk, das da angefangen worden iſt: die Bauernapoſtel haben mich entſetzt mit ihrem Schrei nach Gutergemeinſchaft, Abſchaffung aller Rechte und Pflichten! Heilige Jungfrau, ich bin wohl auch ſchon auf verwegene Ideen gekommen, Laube, Chateaubriant. II. 11


