dem Schlage in der Genofevenabtei erlegen, daß ſie ge⸗ ſtorben iſt, ohne mich geſegnet zu haben. Sie hat mich mißhandelt, aber ſie that es wohl aus Liebe; ſie war meine Mutter und ihr Daſein war doch immer fuͤr mich ein Troſt, wenn auch ein ſchauerlicher. Ich wußte doch, daß Jemand in der Welt ſei, dem ich zur Strafe angehoͤrte, wenn ich Dich uͤberlebte.—
Ich ſterbe früher denn Du, Francoiſe, und langes Leben iſt auch ein Ungluͤck, wenn man nicht einen zaͤhen Leib hat wie die Eiche des Waldes. Den habe ich nicht, leider nicht! Es lauert ein feines Gift in irgend einem ver⸗ borgenen Winkel meines Blutes und mahnt mich zuweilen in ſtillen Naͤchten mit den Schauern der Ohnmacht. Dies treibt mich dann zu einer Haſt und Ungeduld, welche ich ſelbſt verwunſche, die ich aber nicht uͤberwinden kann. Vergieb mir, wenn Du— und Du wirſt es zumeiſt, denn Dich allein liebe ich und verletze ich deshalb am tiefſten— wenn Du oft jählings betroffen wirſt von dieſer Haſt meines Weſens. Es iſt dieſe Haſt der krampfhafte Verſuch mei⸗ nes von Hauſe aus ſo geſunden Naturels, den fremden Krankheitsſtoff auszuſcheiden und zu zerſtoͤren. Ach, der Verſuch gelingt nicht! Es kauert ſich der feindliche Daͤ⸗ mon zu unſichtbarer und ungreifbarer Kleinheit zuſammen, ſo lange ich tobe, und wenn mein Toben erſchoͤpft iſt, da erhebt er ſich wieder langſam, aber mit entſetzlicher Si⸗
cherheit.— Du erſchrickſt davor, gute Frangoiſe, Du
wirſt blaß! Beruhige Dich! Ich uͤbertreibe, weil ich nicht den kleinſten Krankheitsſtoff vertragen kann, weil ich eine kindiſche Furcht habe vor dauernden Schmerzen, vor
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