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ſiechender Unmacht. Ich weiß es, daß ich uͤbertreibe, faſſe Muth, Frangoiſe, es wird voruͤbergehen, und große Erſchuͤtterungen, die mir wahrſcheinlich nahe ſind, wie ein Kampf um Krone und Leben, werden mich über dieſe Bagatellen hinausbringen. Was biſt Du ſchoͤn, Fran⸗ goiſe! Deine Schultern und Arme ſind voll geworden, ſeit Du in Fontainebleau, Dein Haar ſtrahlt taͤglich groͤ⸗ ßeren Glanz, Deine Lippen ſchwellen taͤglich ſchoͤner und Dein großes Auge, immer noch unſchuldig, zeigt doch in ſeinem aufſteigenden Feuer, daß es immer kundiger ge⸗ worden ſei der ſuͤßen Liebe!
Es freut ſich, daß Du mich ſchoͤn findeſt! O Gott, welch ein Gluͤck iſt Schoͤnheit! Man wohnt in einem golde⸗ nen, uͤberall harmoniſchen Palaſte, und jede Bewegung unſeres Leibes wird uns ſelbſt ein Reiz!
An einem mondhellen Abende ward dies geſprochen. Franz und Frangoiſe kamen luſtwandelnd aus dem Wald⸗ garten uͤber jene Teraſſe herauf, wo im Vorfruͤhlinge der Koͤnig die Kukkuksrufe gezaͤhlt hatte. Fuͤnf Marmorſtufen von der Teraſſe aufwaͤrts begann, ſieben Bogenfenſter breit, die erſte und ſchoͤnſte Gallerie, welche der Koͤnig in Fontainebleau angelegt und nach ſeinem Namen be⸗ nannt hatte. Dieſe Gallerien, lange, mit allem Auf⸗ wande jeglicher Bildnerei geſchmuͤckte Saͤle, waren der verſchwenderiſchſte Ausdruck eines wiedergeborenen Kunſt⸗ ſinnes. Alle wiedererweckte Beziehung auf das elaſſiſche Alterthum wurde darin in Gemaͤlden, Statuen und Ver⸗ zierungen angebracht; von jedem Sims herab, aus jedem


