Teil eines Werkes 
2. Band (1846)
Entstehung
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Herr, und mit einer kurzen, ſchneidenden Handbewegung wurde jeder abweichende Vorſchlag zerſchnitten. F ancoiſe beſtand laͤnger, als der guten Laune des Koͤnigs vortheil⸗ haft war, auf der Idee, ihm das Unpaſſende einleuch⸗ tend zu machen und ihn dadurch von den Planen abzu⸗ wenden. So ſah ſie zum erſten Male, wie ſich die hohe Stirn des Koͤnigs uͤber der ſchmalen, vorſpringenden Naſe in eine Falte zuſammenzog, welche dem Ausdrucke des Ge⸗ ſichts eine bedrohliche Schaͤrfe verlieh. O pfui doch, Fran⸗ cois! rief ſie, und der weibliche Genius, welcher ſich mit dem gluͤcklichſten Talente an aͤußerliche Erſcheinungen heftet, half ihr uͤber die entſtehende erſte Entzweiung hin⸗ weg, pfui doch Frangois! das entſtellt ja Dein ſchoͤnes Antlitz wie ein Saͤbelhieb. Ei ei! ich ſehe du kannſt gar keinen Widerſpruch ertragen, auch nicht den der Liebe. Gute Francoiſe, das Leben iſt viel breiter und geſchaͤf⸗ tiger, als die Liebe glaubt; in allen Winkeln harren die Anſpruͤche! Wenn ich auf Viertelſtunden beſchraͤnkt bin fuͤr ernſte Pflicht, ſo ſieht die Liebe nur auf die kurze Spanne Zeit, welche ich zu vergeben habe; wodurch aber die Spanne Zeit bedingt iſt, das ſieht ſie nicht. Ich fuͤrchte, es wird ſchlimmer kommen! Was jetzt dem Tode gegenuͤber geſchieht, das kann gar bald aulch dem Leben gegenuͤber eintreten; wenn die Nachrichten vom Heere in Italien ſo fortfahren, wie ſie heut begonnen haben, ſo

wird der truͤbe Morgen unerwartet da ſein, an welchem

mir kaum eine Viertelſtunde uͤbrig ſein wird zum Abſchiede fuͤr Dich. O nein, Franz, Du wirſt nicht von mir Abſchied neh⸗