ſeine Illuſton, es war dieſem bis in die unſichtbaren Faſern ausgebildeten Egoismus laͤſtig, wenn die Geliebte auch außer ihm noch Sorgen haben koͤnne, obenein Sorgen, welche bei Gelegenheit ſeine eigene Aufmerkſamkeit und Hilfe in Anſpruch nehmen moͤchten.
Dies darf nicht dahin mißverſtanden werden, als ob er nicht bereit geweſen waͤre, der Dame ſeines Herzens zarte und begluͤckende Aufmerkſamkeit zu widmen; im Gegen⸗ theile zeigte ſich ſein koͤniglich⸗ritterliches Weſen verſchwen⸗ deriſch darin, und er ſchenkte wie ein Gott. Aber er mußte es ſchenken koͤnnen, es mußte ihm nicht der leiſeſte Anſpruch von der anderen Seite ſichtbar werden; er ſchenkte mit Freu⸗ den eine Krone, aber es verſtimmte ihn, die Sorge auch nur für einer Stecknadel Werth unter der Form moraliſcher Ver⸗ pflichtung auf ſich zu nehmen.
Frangoiſe war im geraden Gegenſatze hierzu Hinge⸗ bung und Aufopferung ſelbſt in allen Gedanken der Liebe; es war ihr Seele der Liebe, in Allem, aber in Allem, auch in Sorge und Leid, ja ganz beſonders in Sorge und Leid dem Geliebten einverleibt und— wenn dies Wort geſtattet wuͤrde— eingeſeelt zu ſein. Es war vorauszu⸗ ſehen, daß ihre poetiſche Unbefangenheit auch im Gelieb⸗ ten ſolche Stimmung vorausſetzen wuͤrde, und daß juſt dieſe liebenswürdige Vorausſetzung üͤber Kurz oder Lang dem Koͤnige einen unangenehmen Eindruck herbeifuͤhren moͤchte.
So lag alſo auch in ihrer Liebe und Liebenswurdigkeit, welche allein ſie ſchutzen ſollten, neue Gefahr fuͤr ſie, und dieſe Gefahr trat zuerſt in's Werk. Der Koͤnig hatte ihr


