Teil eines Werkes 
2. Band (1846)
Entstehung
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Die Herzogin werde dann zu⸗ guͤnſtiger Stunde, und nach⸗ dem der Konig paſſend vorbereitet ſei, ihr Audienz, und, wenn nicht Alles truͤge, die Begnadigung des Vaters ver⸗ ſchaffen.

Jean von Poitiers Graf von St. Vallier hatte kein beſonderes Intereſſe fuͤr die Herzogin; es war ihr alſo einer⸗ lei, ob er am Leben bliebe, wenn mit dieſer Bitte um ſein Leben ihr ſonſtwie gedient werden konnte.

Alle dem hatte Francoiſe nichts entgegenzuſtellen als ihre Liebenswuͤrdigkeit und ihre Liebe! Freilich die zwei maͤchtigſten Waffen, aber doch nur maͤchtig regelmaͤßigen Naturen gegenuͤber. Koͤnig Franz war auch in der Liebe eine voͤllig unregelmaͤßige Natur; geliebt zu werden ſchmei⸗ chelte ihm allerdings, wie jeder menſchlichen Natur, aber er war ein verwoͤhnter Koͤnig und hatte ſein Naturel zu ſehr an Undankbarkeit gewoͤhnt, als daß Francoiſe aus Liebe zu ihm auf irgend eine ihm ungewoͤhnliche Milde haͤtte rechnen durfen. Was aber die Macht ihrer Liebenswuͤrdig⸗ keit betraf, ſo hing dieſe ganz davon ab, daß Frangoiſe all jener feindſeligen Abſichten gegen ihr Liebesverhaͤltniß nicht gewahr wurde, daß ſie uͤberhaupt in Allem, was von aͤuße⸗ ren Intereſſen den Koͤnig mit berühren konnte, voͤllig unbe⸗ fangen blieb. War dies nicht der Fall, zeigte ſie ſich geſtoͤrt oder nur betroffen, ſo gewann ſie nicht nur nicht, wie dies zwiſchen gleichmaͤßig Liebenden eintritt, fuͤr ihren Geliebten an erhoͤhter Lebenstheilnahme, weil ihr eigen Lebensgluͤck bedroht erſchien, ſondern ſie verlor fuͤr Franz den hoͤchſten Reiz, den Reiz der Uneigennutzigkeit, oder, wenn man es ſo ausdruͤcken darf, der Unperſoͤnlichkeit. Es ſtoͤrte