2
wird ihnen mehr und mehr entſchwinden, je deutlicher ſie
erkennen, daß Niemand ihren Geſchmack theilt.
Die Herzogin ſorgte dafuͤr, daß ihr Sohn dies an ſich erfahre, und ſtimmte alle Hofleute auf Toͤne, die in dieſen Accord ausgingen, wie man eine Laute ſtimmt. Es ſollte keineswegs ein Ton wie der andere klingen. Die ſchwierigſte Aufgabe hatte ſie bei ihrer Tochter, welche weder hier noch ſonſt wo lebhafte Partei nahm, welche aber der Graͤfin herzlich zugethan blieb; denn ſie verſtand das Herz und den Werth Francoiſens. Nach einigen Verſuchen kam auch die Herzogin Louiſe zu der Ueberzeugung, ſie dringe hier nicht gerade aus zum Ziele, und es muͤſſe ein Umweg verſucht werden, um das Urtheil Margarethens, das weniger be⸗ ſtechlich war als irgend eines, und das den groͤßten Werth fuͤr den Koͤnig hatte, verdaͤchtig zu machen. Sie ſprach alſo mit ihrem Sohne von dem uͤbeln Einfluſſe, welchen die ketze⸗ riſchen Grundſaͤtze auf Margarethe gewoͤnnen; es braͤchten ſie dieſe Grundſaͤtze mehr und mehr um den großen Blick, welcher fuͤrſtlichen Perſonen zieme, ja ſie waͤre bereits ſo in kleinbuͤrgerlicher Moralitaͤt befangen, daß ſie blos deshalb noch immer an der ſo zu ihrem Nachtheil veraͤnderten Cha⸗ teaubriant hielte, weil ſie dieſelbe ihm zugefuͤhrt. Sie ſei Schuld, pflege ſie zu ſagen, daß dieſe Frau ihr haͤusliches Gluͤck geopfert habe, und muͤſſe nun zeitlebens fuͤr ſie ſorgen.
Dieſe Wendung war doppelt gefährlich. Franz war von Natur undankbar für veraltete Dienſte, und hier wurde er an Dankbarkeit fuͤr Liebe erinnert! Daß Francoiſe ret⸗ tungslos ungluͤcklich ſein wuͤrde, wenn ſie ſeine Neigung


