Teil eines Werkes 
2. Band (1846)
Entstehung
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dem der eiferſuͤchtige Adel die Fahigkeit abſprach, eine Ar⸗

mee zu fuͤhren, war ganz gewiß der Mann, eine dem Ge⸗ ſchmacke des Koͤnigs gefaͤhrliche Schoͤnheit in Italien zu

entdecken. Und dies verlangte die Herzogin von ihm. Ganz anders verfuhr ſie in Betreff Brion's, deſſen Neigung zur Graͤfin ihr wohlbekannt war. Die alltaͤgliche Intrigue wuͤrde getrachtet haben, dieſe Neigung zu naͤhren und zu irgend einem Ausbruche zu treiben, welcher die Graͤ⸗ fin in Verlegenheit bringen und den Koͤnig eiferſuͤchtig machen koͤnne. Die Herzogin Louiſe verſtand die Intrigue beſſer: ſie wußte ſehr wohl, daß Eiferſucht die Pein iſt, welche das Leben der Neigung am ſicherſten friſtet. Ihr Plan war auf eine ganz entgegengeſetzte Anſchauung ge⸗ baut: Brion wurde zum Heere nach Italien geſendet. So verlor die Graͤfin nicht nur einen Freund und Beſchützer, ſondern, was der Herzogin von viel groͤßerer Wichtigkeit war, einen Bewunderer. Sie kannte ihren Sohn auf und nieder; nicht dadurch, daß man ihm eine Sache ſtreitig machte, verleidete man ſie ihm, ſondern dadurch, daß man die Sache werthlos und wohlfeil darſtellte. Das durfte nicht unmittelbar geſchehen, aber ſie konnte dafur ſorgen, daß ihr Sohn uͤberall, wo von den Vorzügen der Graͤſin die Rede war, nur jenes gefäͤllige Zuſtimmen ſah, welches dem Gebieter gar bald verräͤth, man lobe nur mit, weil er ſel⸗ ber lobe. Raſche, kunſtleriſche Menſchen ſind aber auf den Beifall der Umgebung geſtellt, dieſer Beifall iſt ihnen die zum Leben, das heißt zum Genuſſe noͤthige Atmoſphaͤre, und ſolche Menſchen werden ſtets eine Neigung in ſich er⸗ blaſſen ſehen, welche Niemand beneidet, ja die Neigung